Dysautonomie – wenn das vegetative Nervensystem aus dem Gleichgewicht gerät

In diesem Artikel möchte ich für euch den Begriff der Dysautonomie einführen. Es ist wichtig, dieses Krankheitskonzept oder-spektrum zu verstehen, da es eine Vielzahl von Erkrankungen zusammenfasst, die bislang vom medizinischen System als völlig unzusammenhängend behandelt werden. Diese neue Art der Betrachtung kann neue, übergreifende Lösungswege eröffnen.

Das vegetative (autonome) Nervensystem

Unser Nervensystem ist eingeteilt in das zentrale Nervensystem (ZNS, Hirn, Rückenmark) und das ungeschützte periphere Nervensystem. Beide sind wiederum unterteilt in das somatische und das autonome (vegetative) Nervensystem. Während wir über das somatische Nervensystem unsere Umwelt erfassen und mit ihr bewusst interagieren können, über die Sinnesorgane und Muskelbewegungen, steuert das autonome Nervensystem selbstständig unsere automatisch und unterbewusst ablaufenden Vorgänge, wie die Verdauung oder den Herzschlag.

Das autonome (vegetative) Nervensystem ist unterteilt in zwei Nervenstränge: Der Sympathikus und der Parasympathikus. Beide innervieren jedes Organ (es gibt je eine Nervenverbindung zu jedem Organ), sodass es entweder Richtung Ruhe- und Regenerationsmodus oder Kampf-, Erstarrungs- und Fluchtmodus beeinflusst werden kann innerhalb eines einzigen Augenblicks, was über Neurotransmitter und Hormone geschieht. So kann sich unser Herzschlag schlagartig rapide beschleunigen, wenn uns ein Schreck eingejagt wird (oder wir in Urzeiten von einem Säbelzahntiger verfolgt wurden) oder beruhigen bei einer Atemübung, angenehmen Massage oder in den Armen eines geliebten Menschen. Der Sympathikus ist also vereinfacht gesagt das Gaspedal, während der Parasympathikus die Bremse ist.

Unser Körper ist darauf ausgelegt, dass alle Systeme in perfekter Harmonie arbeiten, um die Balance, die gesunde Mitte aufrechtzuerhalten. Tagsüber sollten wir uns in einem Zustand aus wacher, fokussierter aber gelassener Bereitschaft befinden, also in der perfekten Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus, auf akute Situationen dank des Sympathikus kurzfristig optimal reagieren können, aber auch in der Lage sein, während unserer Pausen (z.B. während Mahlzeiten) in den Parasympathikus abzusinken, mit der tiefsten Entspannung während des Nachtschlafs. Dies ist die Grundlage für alle biologischen Systeme. Gerät hier etwas aus dem Gleichgewicht, entstehen Probleme, das System versagt.

Dysautonomie

Eine Dysautonomie (=autonome Funktionsstörung) ist ein Überbegriff für eine Reihe von Krankheiten und Syndromen, bei denen es zu Störungen im autonomen (vegetativen) Nervensystem kommt. Generell kann man sagen, dass es zu einer Verschiebung zugunsten der Stressachse, des Sympathikus kommt.

Selten handelt es sich hier um genetisch bedingte Erbkrankheiten, wie der familiären Dysautonomie. In den meisten Fällen liegt ein sekundärer Zustand vor, die stoffwechselbedingt, durch entzündliche oder autoimmunologische Vorgänge hervorgerufen werden, die wiederum durch verschiedene Arten von Stress hervorgerufen werden, wie Toxine, Kopf- oder Rückenmarksverletzungen, Alkoholismus, physisches oder psychisches Trauma, Infektionen, Medikamente, Schlaf- und Bewegungsmangel, ungeeignete Ernährung…

Es ist wirklich wichtig, Stress zu verstehen und als mehr zu verstehen als nur Druck auf der Arbeit und etwas, das nur in unserem Kopf abläuft.

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Wenn man von einer Dysautonomie spricht, kann es sich um strukturell Störungen mit Zellschäden (an den Nerven des vegetativen Nervensystems), oder um eine funktionelle Störung handeln, im Sinne einer Imbalance oder Fehlregulierung, ohne nachweisbare strukturelle Schäden. Man spricht deswegen auch allgemein von Neuropathie, einer Erkrankung der Nerven.

Erkrankungen und Symptome

Erkrankungen, die typischerweise mit einer Dysautonomie in Verbindung gebracht werden: Ehlers-Danlos-Syndrom, POTS, Parkinson, Fibromyalgie, Chronisches Erschöpfungssyndrom…

Im Grunde können alle chronischen gesundheitlichen Probleme mit einer Dysautonomie in Zusammenhang gebracht werden. Symptome einer Dysautonomie können sein (ich selbst falle da total ins Spektrum und habe mal meine persönlichen Problemstellen fett markiert):

Allergische- und Autoimmunerkrankungen, Übergewicht, Raynaud-Syndrom, Müdigkeit, Erschöpfung, scheinbar grundlose Schmerzen, übertriebene Verspannungen und Muskelsteifheit, Nebennierenschwäche, Herz-Kreislaufprobleme, Schwindel, Benommenheit, Tachykardie, Ohnmachtsanfälle, Blutdruckabfall, hoher Puls, Probleme mit der Atmung wie Kurzatmigkeit, Blasenbeschwerden (Reizblase, kein Wasserlassen können aber das Gefühl haben, ständig zu müssen…), jegliche Verdauungsprobleme (Übelkeit, Sodbrennen, zuwenig Magensäure, Verstopfung, schlechte Nährstoffaufnahme, Durchfall, Candida, SIBO; Nahrungsmittelunverträglichkeiten manifestieren sich…), starkes oder gar kein Schwitzen, Hitze- und Kälteintoleranz, Schwierigkeiten, seine Körpertemperatur zu regulieren, kalte Hände und Füße, Multiple Chemikalien Sensitivität (MCS), Veränderung der Sinneswahrnehmung wie Geruchssinn, Sehsinn oder Hörsinn (übertriebene Wahrnehmung oder z.B. Episoden von Sehstörungen, Tinnitus), Schlafstörungen, Blutzuckerregulationsstörungen, Hauterscheinungen und -erkrankungen (Neurodermitis, Akne, Psoriasis, Rosazea…), Kopfschmerzen, mentale und kognitive Probleme wie Angststörungen, Depressionen, Konzentrationsstörungen, ADHS, Autismus, Bipolare Störung, Aggressionen, Alzheimer, Neigung zu Süchten, sexuelle Störungen, Übersäuerung, generelle Schwäche oder Krankheitsgefühl, Infektanfälligkeit. ..

Kommen dir viele diese Symptome nicht bekannt vor vonseiten der Histaminintoleranz und der Mastzellaktivitätsstörung (MCAS)? Meines Erachtens überschneidet sich MCAS mit dem Feld der Dysautonomie stark, bzw. die beiden Krankheitsspektren können sich gegenseitig bedingen, bzw. sind Teil desselben Spektrums.

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Es ist ein Spektrum

Wie bei allen chronischen Erkrankungen handelt es sich hier um ein Spektrum. In der Regel beginnen die Beschwerden schleichend und sporadisch, oft nach einer langen oder intensiven Stressperiode oder einem Schicksalsschlag, sind etwas unangenehm, aber noch nichts, was zu einer ärztlichen Diagnose führen kann. Ungezielte Behandlungsversuche mit Medikamenten und Diäten und unbehandelte Lebensstressoren führen dann zu einer allmählichen Verschlimmerung, die sich ernsthaft auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken kann.

Patienten, die von Symptomen aus dem Dysautonomie-Formenkreis betroffen sind, sind in der Regel sehr sensitiv gegenüber Reizen und Stressoren, auch z.B. Koffein, Alkohol, Temperaturschwankungen, Dehydration, bestimmte Medikamente, positive wie negative Aufregung… was Symptome triggern kann. Auch hier finden wir wieder eine Überschneidung mit der MCAS, was logisch ist, da Mastzellen durch aus Nervenendigungen sekretierte Stresshormone und Neurpeptide aktiviert werden.

Die Probleme können jedes Organsystem betreffen, da jedes Organ vom vegetativen Nervensystem innerviert ist, wie du in der Grafik erkennen kannst.

Das vegetative Nervensystem: Parasypathikus – Sympathikus Geo-Science-International

 

Die einzelnen Organe und Systeme werden nach und nach überlastet, es kommt zu Symptomen, obwohl von den Blutwerten und anderen Untersuchungen her (z.B. Darmspiegelung) alles in Ordnung ist. Drüsen beginnen zu erschöpfen oder werden unterdrückt (wie die Schilddrüse, der Pankreas, die Nebennierenrinde), Immunzellen werden unterdrückt oder überaktiviert, unsere Hormone durcheinandergebracht, Entgiftung und Geweberegeneration an sich finden kaum noch statt, da dies nur im Parasympathikus geschehen kann, wir leiden an konstanter Muskelanspannung (Tonus), unser Schlaf leidet merklich, oder wir denken, wir schlafen gut, geraten aber nicht mehr in den Tiefschlaf, mit allen negativen Folgen für den Körper. Wir fühlen uns aus der Balance und werden anfälliger für schlechte Gewohnheiten, die unsere Gesundheit weiter in die Abwärtsspirale treiben.

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Die Natur hat es für uns vorgesehen, dass wir uns die meiste Zeit im ausgeglichenen Zustand befinden, und sich die Stressantwort nur einschaltet, wenn wir akut mit einer außergewöhnlichen Situation konfrontiert sind. Heutzutage ist es aufgrund unseres Lebenswandels leider oftmals umgekehrt. Es kommt zu einer Dominanz des Sympathikus, unsere vegetative Mittellinie wird angehoben, das Belastende wird zum neuen Normalzustand, was leider auch so von Betroffenen wahrgenommen wird, weswegen die meisten gar nicht merken, was ihr Körper Tag für Tag durchmacht. Unangenehme Symptome Krankheiten manifestieren sich nun schleichend. Die Verdauung leidet, der Darm kann sich nicht mehr regulieren und gerät aus dem Gleichgewicht und Nahrungsmittelintoleranzen stellen sich ein. Oft geschieht dieser Prozess über Monate und Jahre, manchmal aber auch ziemlich plötzlich, je nachdem, ob es ein Zuviel an Stressoren über einen zu langen Zeitraum ohne ausreichend Regulationspausen, oder ein Zuviel oder zu hart auf einen Schlag war. In welchen Organsystemen sich die Erkrankungen dann manifestieren, hängt von der Art der Belastung und den individuellen Schwachstellen ab.

Haben sich erst sekundäre Symptome manifestiert (z.B. Hauterkrankungen), sorgen alleine diese schon für Dauerstress im Körper (genau wie der Zustand des als chronisch Kranker abgestempelt sein) ein Teufelskreis, aus dem es schwer auszubrechen ist. Der Körper und das Nervensystem reagieren nun auf die eigenen körperlichen Reaktionen, was sich fest im Nervensystem als epigenetische Veränderungen einschreiben kann.

Ist dies erst einmal begriffen, so macht es keinen Sinn mehr, allein an den Symptomen herumzudoktern (z.B. an der Haut oder am Darm), die Probleme befinden sich nur Downstream der eigentlichen Quelle der Fehlregulation. Natürlich müssen die körperlichen Beschwerden behandelt und die Symptome eingedämmt werden, zum einen, um die Lebensqualität des Patienten zu verbessern, aber vor allem, da der Körper ansonsten immer und immer wieder wie in einer Kettenreaktion auf die Symptome an sich reagiert (zusätzlich zu noch bestehenden äußeren Stressoren). Aktivierte Mastzellen stoßen z.B. Entzündungsbotenstoffe aus, die wiederum andere Leukozyten anlocken und aktivieren, etc. Dieser Teufelskreis muss auf der körperlichen sowie geistigen Ebene unterbrochen werden.

Die neurobiologische Ebene

Kommen wir zu eigentlichen Quelle, der “Geist”. Geist (“Psyche”) und Körper werden in der Regel getrennt, was aus biologischer Sicht keinen Sinn macht, da auch das Gehirn Teil des Körpers ist und es sich somit um ein biologisches Problem, eine Fehlregulation, handelt. Im Endeffekt haben alle chronischen Erkrankungen sowohl psychosomatische, als auch somatopsychische Aspekte. Sehr passend finde ich den Begriff von Donald M. Epstein des “Körpergeist” (Bodymind).

Was läuft im Gehirn ab?

Der Hirnbereich, den wir uns anschauen müssen, ist das limbische System. Das limbische System befindet sich in einem evolutiv älteren Teil unseres Gehirns, unserem “Säugetiergehirn”, das alle Säugetiere gemein haben. Hier werden Sinnesreize verarbeitet. Über das Hören, Riechen, Sehen, Schmecken und Fühlen erhalten wir Informationen über unsere Umwelt. Durch unsere Sinneswahrnehmung werden simple Empfindungen erzeugt wie Vergnügen, Genuss und Angst. Anders ausgedrückt, was wir erleben bewirkt, dass wir uns entspannen, oder gestresst sind. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass das Gehirn die Wahrnehmung gewisser Sinnesreize verstärkt, wenn es sich bedroht fühlt, um Gefahren besser zu detektieren und den Körper vor ihnen zu schützen, was diese typischen erhöhten Empfindsamkeiten wie übertriebener Geruchs- oder Gehörsinn oder Lichtempfindlichkeit erklärt, wenn eine Dysautonomie vorliegt. Es kommt zu einer stärkeren Durchblutung der entsprechenden Hirnareale, was eine stärkere Versorgung mit Nährstoffen und Wachstumsfaktoren und somit eine gesteigerter Bildung synaptischer Verbindungen zur Folge hat.

Wichtige Teile des limbischen Systems:

Amygdala (Mandelkern): An der Analyse und emotionalen Bewertung von Gefahren und Furchtkonditionierung beteiligt, aber auch an positiver Erregung. Sie entscheidet und interpretiert, wie wir die Welt erleben. Sie verknüpft Ereignisse mit Emotionen und speichert diese ab (Konditionierung). Hierbei wird grob generalisiert und nur über das Unterbewusstsein reagiert, z.B. kann ein Lebensmittel mit einer schweren Lebensphase verknüpft sein. Der Körper und das Immunsystem reagieren über das Nervensystem, ohne dass man sich des Triggers bewusst ist und das Lebensmittel ursprünglich an sich das Problem war. Die Amygdala sendet Befehle an den Hypothalamus. Bei Autisten ist die Amygdala deutlich vergrößert.1)

Hypothalamus: Das wichtigste Steuerzentrum des vegetativen Nervensystems, zuständig für die Aufrechterhaltung der Homöostase (das gesunde Gleichgewicht: Blutdruck, Temperatur, Hormone, circadianer Rhythmus, Hungergefühl, Libido, Osmolarität (über die Ausscheidung über Niere und Blase)… Reich an Mastzellen. Es ist eindeutig, dass hier schon etwas durcheinanderkommt bei einer Dysautonomie. Der Hypothalamus aktiviert über die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) die Nebennieren, die wiederum durch die Ausschüttung von Stresshormonen (Cortisol, Adrenalin) den Sympathikus aktivieren.

Basalganglien: Bei Introvertiertheit, Übervorsichtigkeit und Angststörungen findet man sie akut überaktiviert. Betroffenen mangelt es dann an jeglicher Spontanität und sie tendieren dazu, von einer Situation überwältigt zu werden und sich wie ausgeliefert und erstarrt zu fühlen oder tatsächlich körperlich zu erstarren, oft mit einer Anfälligkeit für Durchfälle einhergehend. Im unteraktivierten Zustand Neigung zu extrovertiertem, stimulierendem, impulsiven, suchtartigen Verhalten, Tics. Zuständig für Motivation, Willenskraft, Festigung von Gewohnheiten, Schnittstelle zwischen Gefühlen und Bewegung (bei manchen meiner Klienten und bei mir selbst zeigten sich z.T. bei schweren Unverträglichkeitsreaktionen kurzzeitige Symptome einer Parkinson; akuter Stress und Druck kann touretteartige Anfälle auslösen). Dopamin ist hier der wichtigste Neurotransmitter.

Blausen.com staff (2014). “Medical gallery of Blausen Medical 2014”. WikiJournal of Medicine 1 (2). DOI:10.15347/wjm/2014.010. ISSN 2002-4436. Derivative work by Geo-Science-International

Weitere beteiligte Hirnbereiche (vereinfacht):

Locus caeruleus: Sitz im Stammhirn (allen niedere Wirbeltieren gemein). Erhöhung der allgemeinen Reaktionsbereitschaft des Gehirns durch Ausschüttung von Noradrenalin. Noradrenalin führt zu Angst, Panik, Schlafstörungen und einer Unfähigkeit sich zu entspannen (und ich vermute auch dieses matschige, wie vergiftete Gefühl nach einer anstrengenden Episode), und braucht Tage und eine gut funktionierende Methylierung, um abgebaut zu werden. Der L.c. aktiviert die Amygdala und macht sie empfindlicher. Wichtig zu verstehen: Ein allgemein sensitiviertes Gehirn, das verstärkt nach Gefahren ausspäht, ist anfälliger dafür, neue Gefahren zu erlernen, oft auf völlig unangemessene und übertriebene Weise (was dann zu dem Phänomen führt, dass Menschen aufgrund eines Geruchs in einen lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock geraten u.ä.).

Thalamus: Der Thalamus wird auch als das Tor zum Bewusstsein bezeichnet, da er die Sinnesreize primitiv verarbeitet, ehe sie zur Amygdala geleitet werden. Hierbei wird stark gefiltert und sogar verstärkt, je nachdem, was er für den Organismus akut für überlebenswichtig hält. Die Einstellung des Thalamus entscheidet demnach bereits, wie wir die Welt wahrnehmen.

Ein hochgefahrenes Stresssystem sorgt desweiteren für den erhöhten Verbrauch anderer Neurotransmitter wie Dopamin (Motivation), GABA (Gelassenheit), Endorphinen (Schmerzhemmung) Glycin (Muskelentspannung, inhibierend) und Serotonin (glücklich sein) sowie Nährstoffe und Mineralien. Histamin wird vermehrt ausgeschüttet, was weiter den Sympathikus anstachelt. Cortisol, welches viele Systeme auch unter Stress noch in der Balance hält (Immunzellen, Verdauung, Blutzucker…), kann irgendwann nicht mehr zur Genüge bereitgestellt werden, wenn die Nebennieren ausgebrannt sind. Um das zu verhindern, opfert der Körper so lange es geht andere wichtige Steroidhormone (Vitamin D, Sexualhormone, Schilddrüsenhormone…), um Cortisol zur Verfügung zu stellen (geht mir deswegen fort mit Cholesterinsenkern!!). Achtung, Zucker, Kaffee, Drogen und stimulierende Adaptogene, aber auch Benzodiazepine und SSRIs sind kein Ersatz für Selbstpflege, Ruhe und Schlaf, denn sie greifen auch nur auf unsere Energie-, Hormon- und Neurotransmitterreserven zurück und verbrauchen sie noch mehr! Wir müssen als Gesellschaft wieder lernen, innerhalb unserer gottgegebenen Energieguthaben zu agieren.

Unser präfrontaler Kortex wird  unterdrückt, der “Supervisor” unseres hochentwickelten Gehirns, zuständig für logisches und kreatives Denken, Problemlösung, langfristiges Planen, vernünftige Entscheidungen, Flexibilität im Denken, Gelassenheit, Kurzzeitgedächtnis (Entstehung von Demenz geht in aller Regel einher mit Angst/Depression! Zerstreutheit war bei mir früher an der Tagesordnung und ist es bei vielen meiner Klienten), allgemein für alle hohen kognitiven Prozesse, die unser Menschsein ausmachen.

Man sieht wie kleine, aber chronische Probleme zu einem Dominoeffekt heranwachsen können, da sich alle Körpersysteme gegenseitig beeinflussen. Aus diesem Grund kann man in aller Regel nicht von DEM Auslöser sprechen, den es nur zu finden und zu beseitigen gilt, es ist vielmehr die Summe aus vielem plus sekundäre Konditionierungen, die sich ins Körpersystem eingeschrieben haben, die es zu adressieren gilt.

Ein neuer Umgang mit chronischen gesundheitlichen Beschwerden

Diese völlig neue Art der Sichtweise auf diese “Erkrankungen” sieht sie weniger in Stein gemeißelt, als vielmehr als ein Spektrum von funktionellen Fehlregulationen, in die jederzeit gezielt optimierend eingegriffen werden kann, was eine sehr ermutigende Botschaft ist.

Wieder kann ich sämtliche von mir auf diesem Blog und meinem gratis E-Book beschriebenen Lebensstiloptimierungen empfehlen, um den Körper vor unnötigen Belastungen und Stressoren zu schützen bzw. auf die richtige Weise mit ihnen umzugehen, und dem Nervensystem  zu helfen, sich wieder besser zu regulieren und sich in einer gesunden Mitte einzupendeln (auch wenn es gar nicht so leicht ist, einem braven, fleißigen deutschen Bürger die Selbstpflege beizubringen. Für mich selbst war es ebenso leider das Eindrücklichste am eigenen Leib zu erleben, wie der Körper komplett streikt, wohin ich nie mehr zurückkehren möchte). Ebenso wirkungsvoll zeigen sich gezielte Maßnahmen zur Stimulation des Nervus vagus.

In meinem Coaching gehe ich aus diesem Grund sehr ganzheitlich vor, so wie ich es am Institute for the Psychology of Eating gelehrt worden bin, denn in Amerika wird die Mind-Body (Geist-Körper) Medizin schon sehr erfolgreich angewendet. Natürlich erfordert dieser Ansatz Offenheit und viel Geduld und das letzte, was ich mache, sind Versprechungen auf schnelle Maßnahmen. Wer dies will, sollte zu Cortison,  Cromoglicin, Ersatzhormonen, SSRIs und NSARs greifen (ich verurteile niemanden, der ohne nicht auskommt, war bei mir selbst der Fall für Jahrzehnte, sie dürfen nur nicht die einzige Lösung bleiben). Was ich in meiner Arbeit mit Klienten, die offen für neue Ansätze sind, erarbeite, sind selbstbemächtigende und nachhaltige Strategien und Resultate.

If you rev up the engine of your car for too long, you will burn up the engine. ~Dr. Charles Gant


  1. MW. Mosconi, H. Cody-Hazlett, MD Poe, G. Gerig, R. Gimpel-Smith, J. Piven: Longitudinal study of amygdala volume and joint attention in 2- to 4-year-old children with autism. Arch Gen Psychiatry. 2009;66(5):509-516 PMID 19414710

Leseempfehlung: http://www.holistichelp.net/dysautonomia-autonomic-nervous-system-dysfunction.html

In diesem Artikel finden sich ein paar gute Hinweise bezüglich Medikamentenunverträglichkeiten und worauf man bei Operationen achten sollte

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