Heilt die Zeit alle Wunden?

Reicht es nach einem Trauma oder einer schweren Belastungszeit einfach abzuwarten, und mit der Zeit geht es einem wieder gut?

Menschen mit einer chronischen Erkrankung, sei es etwas anscheinend eindeutig Körperliches wie eine allergische oder Autoimmunerkrankung oder etwas, was oft als „psychisch“ abgestempelt wird wie eine posttraumatische Belastungsstörung, Depression, Angststörung oder Erschöpfungssyndrom können ein Lied davon singen, dass dem offensichtlich nicht so ist. So viele meiner Klienten haben den körperlichen und/oder psychischen Zusammenbruch erlebt und sind dauerhaft krankgeschrieben oder gar in Frührente gegangen. Haben jeglichen „Stress“ aus dem Leben verbannt. Und dennoch, die Energie und gute Laune kommt nicht zurück, die körperlichen Entzündungen heilen nicht, der Schlaf wird nicht besser!

Eine kurze Zwischenbemerkung von mir als Biologin: Es ist Gott sei Dank bereits weithin anerkannt, dass Allergien, Autoimmunerkrankungen und Co. oft mit psychischen Auslösern einhergehen und ebenso sekundär die Psyche belasten und dass sogenannte psychische Erkrankungen wie ADHS, Depressionen, Schizophrenie und Co. mit körperlich bedingt sind und man viel erreichen kann mit antientzündlicher Ernährung und Lebensstil. Ich halte diese Trennung von „Körper“ und „Psyche“ für fragwürdig, so ist doch alles „Psychische“ doch auch erstmal nur bedingt durch die körperliche Schnittstelle zwischen Nerven-, Hormon- und Immunsystem. Und unser Gehirn, in dem sich die Symptome manifestieren können, welches Schmerzen und Entzündungen über Emotionen und Verhaltensweisen ausdrückt, ist auch nur ein Organ, ein Körpergewebe. Genauso lösen negative Gedanken, Ängste und Anspannungen über die Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse und von Mastzellen Entzündungen aus in Haut, Darm, Schilddrüse…

Es  müssen, nach meiner Erfahrung am eigenen Leib und mit Betroffenen, stets alle Register gezogen werden, wo und wie auch immer sich das chronische Symptom manifestiert (Gehirn, Haut, Darm,…). Ernährung, Bewegung, Lebensstil, Umwelt, Verhaltensweisen, Denkweise… Und oft müssen konkrete „Granatsplitter“ aus entweder zu langen oder zu intensiven „Beschusszeiten“ erst gezogen werden, bevor alle Körpersysteme wieder in genügend Harmonie zusammenarbeiten können. Denn unser Körper versucht an sich sein Bestes, strebt immer nach Gesundheit, wenn er die Chance bekommt. Doch für unseren Körper, Gehirn und Nervensystem gibt es immer nur das Hier und Jetzt. Auch ich kenne es, die Panik, Dissoziation oder auch subtileren körperlichen Symptome, ausgelöst durch eine Situation, wo unser System nicht unterscheiden kann, ob wir uns in der frühen Kindheit oder im Jahr 2021 befinden.

Bei diesen fetten Granatsplittern und ihren Sekundärfolgen, die das Gesundwerden blockieren, kann es sich um alles Mögliche handeln; Ein aus dem Gleichgewicht geratener Darm, eine festgefahrene ungesunde Lebenssituation, schlechte Angewohnheiten, ein negatives Weltbild und ungesunde Glaubenssätze, eine schlechte Körperhaltung und Neigung zu Verspannungen, Toxine im Körper, eine bestimmte große Angst (Hirnscans zeigen Hirnareale, die dauerhaft in Unter- oder Überfunktion sind), all dies kann unser System dauerhaft in einer Stressschleife halten, in der der Körper aufgrund seiner eigenen Symptome und somit ständiger Reaktivierung von Innen nicht mehr richtig in die Regeneration kommt, obwohl der Schock oder die Überlastung von Außen schon lange lange vorbei ist. Ganz konkrete Beispiele wären mangelnde Magensäure, Dysbiose, ein Narbenstörfeld oder ein Noisy Brain nach einem Unfall, Entzündungsherde in den Zähnen, Selbsthass, eine belastender Job oder Beziehung, schnelles unachtsames Essen, Stressessen, eine Phobie, Unvergebenes das auf vieles im Leben projiziert wird, Lärm, Toxine oder Schimmel in der Wohnung…

Ich werde oft gefragt, wie lange es dauert, gesund zu werden. Wie lange es dauert bei Neurodermitis, beim Absetzen von Medikamenten, dem Gesundwerden von chronischer Erschöpfung, Durchfällen und Blähungen… Oft höre ich dann Aussagen wie „laut den Aussagen meines Arztes oder der Leute im Forum dauert es XY Monate, Jahre“. Oder „aufgrund XY muss ich mit einer langen Zeit rechnen“, „Bei XY mit dem selben Symptom hat es so lange gedauert“. Oder auch Aussagen wie “mit Problem/Krankheit XY verträgt man Supplement XY nicht!”

Vorweg, Ja, ich halte es für eine sehr gute Grundlage, an das Gesundwerden ohne Zeitdruck und unrealistische Erwartungen ranzugehen. Unser Körper muss sein Ding machen können, manche Krankheiten oder Lebensprobleme haben ihr eigenes „Ablaufdatum“. Bei jedem öffnen sich die Türen zur nächsten Stufe des Gesundwerdens in einer unterschiedlichen und höchst individuellen Reihenfolge.

Doch mich persönlich hat es immer am meisten interessiert, aus dem Zufall die Gesetzmäßigkeiten herauszufinden. Können wir uns vergleichen? Wenn es bei Person X 10 Jahre gedauert hat, oder er die ersten 3 Jahre XY nicht vertragen konnte, sagt das auch nur das Geringste über meine eigene Situation aus? Können wir vergleichen? Wie oben beschrieben, es gibt so wahnsinnig viele große und kleine Faktoren, die mit reinspielen. Die der andere vielleicht besonders stark berücksichtigt und schon bearbeitet hat, oder eben nicht. Der eine hat vielleicht Ressourcen (seinen Glauben, eine positive Lebenseinstellung, einen unterstützenden Partner, hat schon bestimmte Therapien gemacht, Bücher gelesen, Wissen, Fertigkeiten, gute Gewohnheiten…), die der andere vielleicht noch nicht hat! Und kann innerhalb eines Bruchteils der Zeit seine Gesundheit auf ein neues Level bringen, da er einige gute Abkürzungen geht. Ein anderer hat es vielleicht mit größeren Schwierigkeiten zu tun, finanziell, Wohnsituation, familiär, frühkindliches Trauma, mangelnder Wissensstand, eingeschränktes Weltbild, noch weitere betroffene Darm- oder Hirnareale, sodass er es schwerer hat. Oder einer macht Anfangs einen großen Spurt und schnelle Fortschritte und bei ihm hängt es später und alles kommt ins Stocken, während der, der den vermeintlich schwereren Start hatte, am Ende alle überholt und zu unerwarteter Größe auffährt gesundheitlich. Was wissen wir schon?

Ich selbst gehe diesen Weg seit gut 8 Jahren und kann nur betonen, dass unser Gehirn nicht kennen kann, was es noch nicht kennt. Oft habe ich gedacht, ich bin am Ende der Fahnenstange, und dann ging es nur in die nächste Schicht, es durfte (nach Anfangsherausforderungen) leichter werden.

Ich möchte dir einfach mit auf den Weg geben: Ja, gib dir viel viel Zeit, deine Wunden heilen zu lassen, deinem Körper eine Chance zur Regeneration zu geben.

Doch ein Glaube ohne Werke ist ein toter Glaube, heißt es. Glaube mir als jemand, der jahrzehntelang von Arzt zu Arzt gerannt ist in blinder Hoffnung. Niemand kann es für dich machen. Die Lösung liegt nicht im Außen. Du musst aktiv werden und die Verantwortung für deine eigene Gesundheit in die Hand nehmen. Am Ende werden alle Antworten in dir selbst liegen. Es ist super, sich kompetente Augenpaare von außen und erfahrene Reisebegleiter mit ins Boot zu holen, auch ich selbst werde dies bis zu Ende meines Lebens tun, doch ich selbst bin „Projektleiterin“ meines persönlichen „Gesundwerden-Projekts“. Ich habe es in der Hand dafür zu sorgen, dass nach und nach der Sand aus meinem Getriebe geschafft wird. Glaube mir, wenn es noch Probleme gibt mit deiner Gesundheit und Wohlbefinden, obwohl du viele Bereiche wie Ernährung, Stressmanagment etc. schon gut gemeistert hast, dann kann da auch noch etwas Zugrundeliegendes gefunden werden. Oft denken wir, wir sind an der Ursache dran (sanieren z.B. unseren Darm), aber vielfach erlebe ich, dass das, was wir als Ursache angesehen haben, auch nur ein weiteres Symptom einer noch tiefer liegenden Wurzel ist. Es macht Sinn, die größtmöglichen Hebel zu finden, mit denen dann so viele Baustellen gleichzeitig wie möglich gelöst werden.

Kann ich dir da, wie ich das alles jetzt so schlau schreibe, einen Masterplan an die Hand geben? Aus tiefstem Mitgefühl aufgrund meines eigenen Leidens und dem, was ich bei geliebten Menschen miterleben musste, muss ich das leider verneinen. Wie gesagt, es ist super individuell. Würde es so etwas geben, hättest du davon schon längst in allen Zeitungen gelesen und jemand wäre schon sehr reich damit geworden. Und wir würden im Utopia leben. Doch meine Stärke ist es, Muster zu erkennen und Konzepte, die möglichst simpel sind bei dieser hochkomplexen Materie, zu erstellen, und dies zu lehren. Außerdem mutmachend und den Überblick behaltend zu begleiten.

Versuche, einen Balanceakt hinzukriegen. Lass dein Gesundwerden nicht zu einem neuen Workaholicprojekt werden, gib dir genügend Zeit, dich mit den Dingen geduldig auseinanderzusetzen und erst in einem Feld Sicherheit zu erlangen (wie der Ernährung, ein gesunder Tagesrhythmus, deine persönlichen Entstressungsstrategien zu finden,…) aber warte auch nicht ab und hoffe, dass die Lösung vom Himmel fällt oder die Sache von selbst verschwindet. Ich gehe mittlerweile enorm gelassen an die Sache heran, sehe es mittlerweile als eine Reise des Gesundwerdens an, eine spannende Selbstentdeckungsreise mit vielen interessanten Überraschungen. Wann immer Zeit, Kraft und Geld da sind, wage ich mich an etwas Neues (ein neues Videokurs, ein Buch, eine Therapieform, ein Gerät, eine Lebensveränderung…) und kann auch heute noch hier und da ein paar sehr erleichternde Prozent für mich herausholen, die mir sogar ermöglichen, mein gesamtes Leben auf ein völlig neues Level zu bringen.

Unterschätze hierbei wirklich auch nicht den Faktor, worauf du den Fokus legst, auf die Shitte, den Schmerz, die Limitationen oder auf die kleinen Erfolge und das Gute in deinem Leben? Bei Jan´s Beinverletzung sehe ich anschaulich, wie tricky es sein kann. Man verliert schnell den Überblick, wenn man selbst drinsteckt. Heute sagte er plötzlich beim Yoga: “Ich kann mich wieder richtig hinknien!” Wow (wir gehen hier wirklich durch eine schwierige und äußerst herausfordernde, aber auch lehrreiche und erstaunliche Zeit aufgrund eines Unfalls)! Oder lies meine damaligen Reflektionen In Minischritten zum Erfolg, Selbstreflektionen, die sehr wichtig sind.

Ich weiß, wir greifen hier wirklich nach den Sternen, denn viele unserer Erkrankungen gelten „offiziell“ noch als unheilbar. Der Pfad, den du und ich hier gehen, existiert noch gar nicht, wir müssen ihn erst schaffen. Die Medikamente, Lebensmittel, Toxine, Lebensstilfaktoren etc. wegen denen viele völlig neuartige Symptome entwickeln (auch mich haut es durchaus auch mal aufs Neue um), sind gar erst seit wenigen Jahren auf dem Markt. Und doch, die Erfolgsstorys beginnen sich zu häufen. Langjährig schwer kranke und hochsensible Menschen erheben sich aus der Asche ihres Lebens.

Alles Physische, auch dein Körper, unterliegt festen Regeln, die erkannt werden können. Gib nicht auf, übersieh die nächste Tür nicht.

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