Die 5 Phasen der Heilung des Gehirns

Um den richtigen Umgang mit der Heilung von neurologischen, psychischen, kognitiven… Symptomen zu finden, wie z.B. bei Autismus, Lernstörungen, Konzentrationsstörungen, Aggressionen, Epilepsie, Demenz, Parkinson, Traumabewältigung, Angststörungen, Nervosität, Depressionen, Erschöpfung, sensorischen Verarbeitungsstörungen und anderen chronischen neuroinflammatorischen Erkrankungen, muss verstanden werden, wie die Heilung des Hirngewebes vonstatten geht und welche Maßnahmen welche Phase unterstützen.

Norman Doidge, MD, Psychiater, Psychoanalytiker und Bestseller-Autor zum Thema Neuroplastizität beschreibt 5 Phasen der neuroplastischen Heilung des Gehirns.

Nicht immer muss der Patient durch alle diese Phasen gehen.

Phase 1: Korrektur der generellen zellulären Funktion der Neuronen und Gliazellen

Vor jeglichen Versuchen einer Therapie und Neustimulation muss die Quelle der Belastung eliminiert werden wie Toxische und immunologische Belastung (Giftstoffe im Haushalt, auf der Arbeit, in Kosmetikprodukten, Schwermetalle, Rauchen, Alkohol, Schimmel, durch eine Darmdysbiose (SIBO, Candida,…), Zähne, Medikamente, Nahrungsmittelintoleranzen, chronische Infektionen…), mechanische und physikalische Belastung (z.B. durch gewisse Sportarten), sensorische Überlastung (Lärm,…), kognitive und psychische Belastung (Überarbeitung, Schlafmangel, Missbrauchssituation) und es müssen Nährstoffmängel beseitigt werden, damit dem Körper alle Ressourcen zur Verfügung stehen, die für Baumaterial, Energielieferanten und enzymatische Reaktionen (“Futter für die Neuronen”) benötigt werden wie essentielle Fettsäuren, bestimmte Aminosäuren, Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe.

Genauso, wie ein Sportler mit überlasteten und verletzten Muskeln oder Sehnen umgehen würde. Er würde sich zunächst aus dem intensiven Training herausnehmen und für eine gute Versorgung des spezifischen Gewebes sorgen.

Theoretisch kann sich ein Gehirn für ein ganzes Leben lang in einem Zustand chronischer, unterschwelliger Inflammation befinden, solange nichts gegen die Ursachen unternommen wird und wenn eine Dauerreizung besteht, z.B. bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (man führt sich Tag für Tag sein persönliches “Kryptonit” zu). Ein plötzliches Ereignis wie ein Unfall, bei dem es zu einem Schädel-Hirn-Trauma kommt, kann ebenso einleitend sein, genauso wie auf dem indirekten Wege, über den Darm und die Leber, z.B. durch eine Lebensmittelvergiftung, die dauerhaft das Mikrobiom durcheinanderbringt, wenn dem nicht aktiv entgegengewirkt wird. Dies kann bis hin zu starken Persönlichkeitsveränderungen führen, die einfach nur den stillen Schmerz dieses sehr unzugänglichen Organs darstellen.

Neueste Erkenntnisse zeigen, dass das Gehirn sein eigenes Entgiftungssystem, das “glymphatische System“, besitzt, und auch unser Gehirn profitiert von Entgiftungsmaßnahmen und Unterstützung der Methylierung. Vonseiten des Verdauungssystems sind hier Darm und Leber die wichtigsten Schutzbarrieren für das Hirn und müssen in Ordnung gebracht werden.

Die Gliazellen, die einen weitaus größeren Anteil an Gehirnzellen einnehmen gegenüber Neuronen, wirken protektiv und unterstützend. Mikrogliazellen und Mastzellen im Hypothalamus arbeiten gegen Pathogene und müssen gut moduliert sein, dürfen nicht zu wenig, aber auch nicht zu stark arbeiten, die schützende Blut-Hirn-Schranke muss repariert werden (eine Leaky-Blut-Hirn-Schranke ist leider genauso üblich wie ein Leaky-Darm, viele leiden dann auch unter “Leaky-Haut“).

Phase 2: Neurostimulation

Das Gehirn bedarf nun an Input von außen, um wieder die richtigen Signale und Kommandos zu bekommen und damit Wachstumsfaktoren zur Regeneration ausgeschüttet werden, genauso, wie ein verletzter Sportler zu seiner alten Performance nicht allein durch Ausruhen zurückgelangen kann.

Dies geschieht durch gezielte energetische Maßnahmen wie Licht, Töne, Elektrizität, Vibration, Bewegung, mentales Training und der Arbeit an den eigenen Gedanken zum sanften Schubsen in Richtung Homöostase. Heile, ungeschädigte, evtl. dormante (“schlafende”) Hirnbereiche werden somit zum Wachstum angeregt und können die Funktionen von geschädigten Bereichen übernehmen.

Ein häufiges Problem, das Norman Doidge als das “Noisy Brain”, das lärmende Gehirn bezeichnet, bezeichnet die Schwierigkeit, Reize von außen richtig zu verarbeiten, sich zu modulieren und zu regulieren. Die Neuronen erlangen keine Kohärenz, feuern nicht im richtigen Rhythmus. Es wird immer schwerer, einen klaren Gedanken zu fassen, Hintergrundgeräusche, Gerüche, etc… können nicht mehr rausgefiltert werden (gewisse Reize sollte man ausblenden, auf andere sich vollkommen konzentrieren können. Wir können ohnehin in einem Moment nur einen Bruchteil der Daten bewusst verarbeiten, die auf uns einströmen, nur 40 von 11Mio Bit, heißt es), man fühlt sich wie in einem Mixer. Den Höhepunkt dieses Zustand findet man bei Autisten, die aus reiner Überforderung aggressiv, reizbar, oppositionell und mit vollkommenem Rückzug reagieren.

Neurostimulation durch gezielte Gehirnübungen dienen dazu, dass die Neuronen wieder in einer unterstützenden Weise angeregt werden, was den Blutstrom in die entsprechenden Hirnregionen lenkt, Nährstoffe, Sauerstoff und Wachstumsfaktoren heranträgt und die Bildung neuer, gesunder Synapsen an den gewünschten Stellen einleitet.

Phase 3: Neuromodulation

Eine wichtige Grundfunktion unseres Gehirns ist die Modulation zwischen Erregung und Inhibition in den neuronalen Netzwerken. Diese Modulation ist beim lärmenden Gehirn gestört, was zu einer Übersensitivität und Überbeeinflussbarkeit gegen äußere (aber auch innere) Stimulation führen kann, aber auch zu einer Abstumpfung.

Die Modulation muss auf zwei Ebenen erfolgen:

Oft liegt eine Funktionsstörung im Hirnstamm vor, die sich bereits in frühester Kindheit eingeschlichen haben kann, typisch aber auch bei Unfällen und Überlastungssituationen.

Die zweite Ebene, auf der gearbeitet werden muss, ist die des autonomen (vegetativen) Nervensystems. Steckt ein Patient im sympathischen Ast des autonomen Nervensystems fest, befindet er sich in dauerhafter Anspannung, im Kampf-oder-Flucht-Modus, was zu einem hohen Energieverlust führt, die Mitochondrien unterdrückt, die Entgiftung hemmt, zu einem Hormonungleichgewicht führt, das Immunsystem anstachelt, heilenden Tiefschlaf verhindert und Lernprozesse, Verarbeitung und Heilung auf ein Minimum herunterfährt.

Phase 4: Neurorelaxation

Sobald es zu einem Shift von Sympathikusdominanz hin zu Parasympathikusdominanz kommt (vom Dauerstress in den Entspannungszustand), wird die Regeneration eingeleitet. Die Person muss oft viel Schlaf nachholen, ein Zustand, der mehrere Wochen anhalten kann, aber nur vorübergehend ist, sodass das Gehirn entgiften, entzündliche Prozesse herunterregeln und mit der Geweberegeneration beginnen kann.

Phase 5: Neurodifferenzierung und Lernphase

Ist das Gehirn gut genährt, die Entzündung heruntergefahren, besser moduliert und zur Ruhe gekommen, wird der Patient von selbst wieder viel wacher und aufmerksamer wirken. In der Regel kommt das Verlangen und die Offenheit zum Lernen neuer Dinge und die Flexibilität im Denken nun von ganz alleine zurück. Das Gehirn ist nun in der Lage, Neues zu verarbeiten, neue Mitochondrien zu bilden und neue synaptische Verbindungen wachsen zu lassen in Verbindung mit gutem Input.

Wie ein Sportler, der die richtige Weise und Dauer der Auszeit und Reha braucht nach einer Verletzung, ist das Gehirn ab diesem Punkt wieder vollstens bereit für neue Herausforderungen und Wachstum.


Es macht einen Unterschied, ob es zu einer starken Verletzung des Gehirns kommt durch einen Unfall, dann sind die einzelnen Stufen deutlicher voneinander zu unterscheiden. Viele Menschen aber leben für Jahrzehnte, oft seit frühester Kindheit, mit einem chronisch, unterschwellig, hochfunktional entzündeten und überlasteten Gehirn. Man fühlt, dass etwas nicht stimmt, man läuft wie mit Sand im Getriebe und besonders gute Momente lassen einen erahnen, dass die Welt viel weniger laut/ gedämpft/ beängstigend/ bedrohlich/anstrengend/… ist, als man es die meiste Zeit erlebt und das gewisse Dinge nicht fest zum eigenen “Charakter” gehören, sondern aus körperlicher Überforderung, einer Art stillem Schmerz (das Gehirn besitzt kein Schmerzempfinden und drückt sich stattdessen durch Emotionen aus) entstehen.

Hier kann es oft langwieriger sein, allen Ursachen auf die Schliche zu kommen und dem Gehirn neue Verhaltensmuster anzugewöhnen, und die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen sind sehr fließend. Ich möchte dir aber Mut machen und dich dazu einladen, deinen jetzigen Zustand nicht als gottgegeben und in Stein gemeißelt hinzunehmen. Auch ist kein Perfektionismus nötig; ich konnte bei mir bereits große Fortschritte erzielen, als ich noch mit sehr begrenzten Mitteln arbeiten konnte und noch nicht alle Stressoren eliminieren konnte. Unser Körper ist bereits dankbar für jeden kleinen Vorsprung, man erhöht einfach nach und nach seine Heilungsbeschleunigung.

Mit einer gezielten Herangehensweise und mit kleinen Schrittchen, die jeder im Alltag umsetzen kann, und zu denen ich viel auf meinem Blog schreibe, kann sich ein Pfad aus diesem Zustand heraus geschaffen werden. Dies ist selbst im hohen Alter und nach jahrzehntelanger Überbelastung möglich, dank unseres hochplastischen Gehirns, dank unserer lebendigen und super flexiblen Zellen.

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