Gehörschutz bei Geräuschempfindlichkeit: Erfahrungen

Viele meiner Leser und Klienten kennen das Problem mit erhöhter und sehr sensibler Sinneswahrnehmung, wie übertriebener Geruchssinn oder, wozu ich neige, sehr empfindlicher Gehörsinn (in Extremzeiten auch Berührungs- und Lichtempfindlichkeit). Ich möchte aus diesem Grund einmal mit euch teilen, was ich bisher ausprobiert habe und wie meine Erfahrung mit maßangefertigten Gehörschutz-Otoplastiken ist. In aller Regel benutze ich den Gehörschutz zum Schlafen.

Ohropax aus Wachs

Ganz gute Wirkung, aber fallen bei mir zu leicht raus und ich finde sie eklig.

In aller Regel verwende ich klassische Ohropax Schaumstoffstöpsel

Sehr guter Schutz bis 32 dB. Wenn ich sie mal einen Nacht zu tief drin hatte, kann das Ohr sich dann aber mal für ein, zwei Tage entzündet und druckempfindlich anfühlen und ich fürchte um die Hygiene, auch durch die luftdichte Abschließung. Einmal kam es mit einem solchen Stöpsel im Ohr bei mir zu einer fiebrigen und eitrigen Gehörgangsentzündung, aber da hatte ich auch durch Schwimmen Wassereinschluss im Ohr, den ich nicht beseitigt bekommen habe vor dem Schlafen und es war die typische Kombination bei mir: Entspannungsphase nach einer stressigen Episode + Milchprotein. Ansonsten trage ich sie wirklich seit fast 15 Jahren und würde auch bei ihnen bleiben. Mein bisheriges Lieblingsprodukt. Im Hörtest beim Akustiker dämpften sie sogar um fast 50 dB! Gerade teste ich diese hier, die sollen bei kleinen Gehörgängen als angenehmer empfunden werden, auch ich finde sie bislang wirklich super, noch viel weicher und dabei super abdichtend (-33dB). Werden wohl meine neuen Lieblinge! Noch ein Tipp: Hinten das Ende, das aus dem Ohr herausragt, mit der Schere etwas kürzen, dann liegt es sich angenehmer.

Maßangefertigten Gehörschutz-Otoplastiken aus Acryl oder Silikon

Damit hatte ich schon länger geliebäugelt, aber der Preis (72 Euro pro Stück!) schreckte mich ganz schön ab. Jetzt habe ich mir doch mal welche machen lassen und muss leider sagen, dass ich ziemlich enttäuscht war.

Pro: Sie sitzen wirklich Hammer angenehm, stören überhaupt nicht beim Liegen, drücken nirgends und durch einen kleinen Steg hielten sie auch gut im Ohr, man merkt sie kaum. Nur einmal von drei Nächten war einer draußen mitten in der Nacht, aber manchmal ziehe ich mir meinen Gehörschutz wohl auch im Halbschlaf selbst raus, deswegen weiß ich nicht, ob er rausgefallen ist.

Kontra: Die geräuschdämmende Wirkung war allerdings wirklich nicht gut. Ich hatte das Gefühl, dass sie etwas länger hätten sein müssen, sie waren sehr kurz und haben meines Erachtens den Gehörgang nicht genügend ausgefüllt (ich durfte sie deswegen zurückgeben, das war wirklich super kulant vom Akustiker). Ich musste sie schon ziemlich tief reindrücken und konnte mich mit ihnen im Ohr trotzdem noch völlig normal unterhalten und wurde nachts ständig wach durch verkehrs- und wetterbedingte Geräusche. Mein Schlaf war in jedem Fall viel zu unruhig und nicht tief, dabei hatte ich sie bisher nur ohne einen schnarchenden Ehemann neben mir getestet (den ich sogar durch die Schaumstoffstöpsel höre, weswegen ich eigentlich auf etwas Besseres gehofft hatte). Hinterher erfuhr ich, dass der Hersteller eine Geräuschreduzierung von nur 12 dB garantiert. Notiz an mich: In Zukunft immer VORHER nach den Zahlen fragen!

Mein FAZIT: Wer nur eine leichte Dämmung braucht, z.B. auch im Flugzeug und öffentlichen Verkehrsmitteln, und sehr viel Wert auf Hygiene und Tragekomfort legt, ist mit den Gehörschutz-Otoplastiken sicher gut beraten, aber wem es “um so viel Lärm weg wie möglich” geht, vor allem das Preis-Leistungsverhältnis bedenkend, sollte bei den herkömmlichen Schaumstoffstöpseln bleiben.

Kapselgehörschutz

“Mickeymäuse”. Von Handwerkern, Bauarbeitern, und Doktoranden in überfüllten Büros eingesetzt. Ich habe diese hier, schützen durchschnittlich bis 35 dB. Wirklich super Leistung, dabei nicht teuer und man muss sich nichts gewaltsam in den Gehörgang drücken. Das Vakuumgefühl über dem Ohr ist am Anfang etwas ungewohnt, aber ich bin inzwischen dankbar, sie zu haben, z.B. wenn die nicht-deutschen Nachbarn wieder Bandprobe haben oder Geburtstag feiern, oder ich einen “Powerregenerationstag” einlege.

Klar, alles filtern auch diese nicht raus und man würde es mitkriegen, wenn man direkt angesprochen wird (Gehörschutz hat allein deswegen seine Begrenzung, gerade bei tiefen Tönen, da man auch über den Knochen hört), aber da er mehr Fläche abdeckt, schützt er meines Erachtens auch mehr. Zum Schlafen kann man sie als Seitenschläfer (die gesündeste Schlafhaltung), nicht verwenden, ich habe mit ihnen aber schon Nickerchen auf der Couch hingekriegt, wenn ich meinen Kopf strategisch geschickt gestützt habe, und für unterwegs, wenn man Platz im Gepäck hat, sind sie natürlich super (man könnte unter ihnen sich noch Musik in die Ohren stecken, oder man verwendet direkt so einen, wäre auch weniger auffällig).


Mein Hörtest beim Akustiker ergab einen völlig normalen, durchschnittlichen gesunden Gehörsinn bei mir, was beweist, dass mein sensibler Gehörsinn nicht organisch, sondern dysautonomisch, hirnbedingt ist. Dies tritt auch nur in akuten Stresssituationen, in Phasen voller Sorgen und allgemeiner Überreiztheit und wenn meinem Körper die Rohstoffe zum Abschalten der Stressresponse fehlen (Aminosäuren, Methylgruppen…) und mein Histaminlevel hoch ist auf.

Das größte Problem ist in solchen Momenten der Verlust der Fähigkeit, gut zu filtern, die kleinsten Hintergrundgeräusche werden dominant. Menschen mit akuter Autismusspektrumstörung befinden sich dauerhaft in diesem Zustand, weshalb sie sich zurückziehen. Man fühlt sich wie in einem Mixer.

Schonung ist in jedem Fall wichtig, das Nervensystem kann sich nur wieder einbalancieren, wenn der Stresszustand beendet wird, der Körper sich wieder sicher fühlt und aufhören kann, die Umgebung auf Gefahren zu scannen. Gleichzeitig sollte daran gearbeitet werden, die Resilienz zu erhöhen und individuell herauszufinden, was einem gut tut.

Ich fürchte ebenso, dass mit der Zeit eine Sensibilisierung eintreten kann, wenn man Gehörschutz viel nutzt, und man abhängig von ihm wird. Ich merke heutzutage, dass ich ganz ohne einfach zu unruhig schlafe, selbst, wenn keine dominanten Geräusche anwesend sind. Zudem vermute ich eine gewisse Ritualisierung, dass das Einstecken der Stöpsel mit zum Einschlafkommando für meinen Körper gehört.

Kennst du selbst das Problem mit der Geräuschempfindlichkeit? Was findest du am belastendsten, was hilft dir? Teile gerne deine Erfahrung in den Kommentaren mit der Community!

3 thoughts on “Gehörschutz bei Geräuschempfindlichkeit: Erfahrungen

  • 29. Mai 2018 at 16:58
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    Ich habe Tinnitus in Kombination mit Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit).
    Ich versuche Gehörschutz so gut wie’s geht zu vermeiden für den Dauergebrauch. Also nicht jede Nacht.

    Mit den Jahren weiß ich eigentlich wann ich was gut nutzen kann:
    — angepasste Ohrstöpsel für Situationen wo Menschen in ein Mikrofon sprechen. Meine Otoplastiken haben übrigens herausnehmbare Wechselbare Filter mit unterschiedlicher Dämmung für jede Situation. Die waren leider aber auch richtig teuer…Dafür hab ich sie auch immer bei mir.
    — Noise cancelling Kopfhörer für Flugzeug und Zug. Sind gut im rausfiltern von konstantem Hintergrundgeräusch.
    — „Micky Mäuse“ im Haushalt. Für Staubsauger und Handmixer etc.
    — Ohrwärmer gegen Fahrtwind beim Fahrradfahren.
    —Schaumstoffstöpsel zum schlafen wenn die Nachbarn ne Party machen.
    — getrennte Schlafzimmer gegen schnarchenden Ehemann:—)

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    • Doro
      30. Mai 2018 at 17:15
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      Danke fürs Teilen deiner Erfahrungen, Marleen. Wow, klingen echt super, deine Otoplastiken, aber müssen wirklich teuer gewesen sein. Ja, das mit den getrennten Schlafzimmern ist am Ende oft einfach die beste Lösung.
      Liebe Grüße,
      Doro

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