Tagebuch Azoren Teil VIII

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16.7.

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Muräne

Heute esse ich zum Frühstück und Mittagessen Reis mit der Stone Soup als Soße drüber, toll! Pedro holt vom Flughafen ein Filmteam von National Geographic ab, Erik und Jutta aus Österreich, zwei coole Leute. Sie erzählen uns von ihren Abenteuern, z.B. in einem U-Boot in 1000 Metern Tiefe. Wir fahren zusammen mit ihnen wieder auf die kleine Insel Praia, wo sie die Seeschwalben filmen wollen für ihren nächsten Dokumentarfilm über die Azoren. Ich selbst muss noch ein paar letzte Eidechsen beproben. Wir entscheiden uns dann dagegen, über Nacht zu bleiben, da wir so allmählich genug von der Abgeschiedenheit haben und es morgen Unwetter geben soll. Ich gehe aber auf der insel noch eine Runde mit Gui schnorcheln, wo wir wieder eine Muräne entdecken, später zeige ich den Filmleuten noch ein paar Seeschwalbennester und unterhalte mich mit ihnen. Außerdem gelingt es mit Patricks Hilfe, meine letzten benötigten Eidechsen für die Blutproben zu fangen. Abends fahren wir dann aber wieder zurück nach Graciosa, die beiden Filmer bleiben für zwei Nächte.

Hier gehen wir nochmal an den Strand, Patrick, Xia und Pedro trinken was und ich gehe nochmal in dem herrlichen Wasser schwimmen. Ich habe zwar meinen Bikini im Auto vergessen, aber das soll mich nicht aufhalten, gehe ich halt in Unterwäsche. Ich kann einfach nicht genug vom Meer bekommen. Ich bin so glücklich im Wasser! Auf der Straße findet eine Art Stierkampf statt. Auch wenn der Stier hier nicht verletzt wird, so bin ich überhaupt kein Fan von sowas.

Nach dem Schwimmen habe ich ziemlich Probleme mit Wasser im Ohr, das ich nicht richtig rausbekomme. Nachts muss ich auch noch Ohrenstöpsel reinmachen und nur auf der einen Seite schlafen, weil Patrick so schnarcht…


17.7.

Mein Ohr ist komplett zu und tut weh… Fühlt sich an wie eine Gehörgangsentzündung, habe ich öfters mal, wenn ich mir einen Ohrenstöpsel zu tief reingesteckt habe… Aber dabei auch noch das Wasser, das immer noch im Ohr ist… nicht gut. Ich versuche mir, mein Ohr selbst zu spülen mit einer Einwegspritze und mache mir Teebaumöl rein, aber da ist nicht viel zu machen. Im Internet lese ich, dass man das Ohr schnell wieder freibekommen sollte, damit Luft rankommt. Ich frage Xia, ob sie mich zu einem Arzt fahren kann. Sie macht sich sogleich schreckliche Sorgen und fährt mich ins Krankenhaus. Dort gibt es erstmal Probleme, weil ich keine Auslandskrankenkarte habe, aber sie nehmen mich dann trotzdem auf. Der Arzt guckt kurz rein und sagt, es sei vereitert. Da helfen nur Antibiotika. Ich fühle die Panik in mir aufsteigen. Jahrelang alles dafür getan, meinen Darm zu heilen, einen Haufen Kosten und Mühen damit gehabt, und nun wegen so etwas Blödem die Antibiotika schlucken?! Jetzt reden Xia und der Arzt gleichzeitig eindringlich auf mich ein, dass das sehr wichtig sei, dass ich nicht mehr schwimmen könnte, dass ich nichts selbst dran machen darf… Ich will einfach nur, dass er diesen Klumpen in meinem Ohr öffnet! Ich versuche es damit, dass ich gegen Penicillin allergisch sei, aber er schreibt mir etwas anderes auf. Xia will mich sofort zur Apotheke fahren, aber ich sage, dass ich erstmal Peter anrufen will, um mir eine zweite Meinung einzuholen. Zuhause binde ich mir erstmal ein Kopftuch mit einer halben Knoblauchzehe überm Ohr um und lege mich eine Runde hin, ich bin sehr niedergeschlagen. Später kann ich Peter nicht erreichen. Alles doof. Das Wetter ist auch richtig mies, monsunartige Regenschauer, Gott sei Dank sind wir nicht auf der kleinen Insel. Ich fühle mich wieder total unwohl in dem hellhörigen Haus von Pedro und Xia, wie damals mein Kinderzimmer, über mir die Küche, unfassbar lautes Getrappel… und man sitzt hier wie in einer Festung, hinten die Mauer, drumherum die kleine Straße, kein Garten… genau wie damals… ich wünsche mich zurück in das wunderschöne Haus von Peter und Bakhtawar, doch das ist nun wohl auch endgültig vorbei. Wieder ein Zuhause, das ich verloren habe, irgendwie bezeichnend für mein Leben. Ich breche einfach nur in Tränen aus. Patrick ist völlig perplex, er geht mit mir runter ans Meer und wir setzen uns auf die Steine und ich heule mich aus ganzem Herzen in seinen Armen aus. Danach geht es mir viel besser.

Wir fahren mit der ganzen Familie zum Stall, wo ihr Pferd steht, ein wunderschöner Lusitanohengst namens Umdeus (Einszwei). Doch die Tiere dort tun mir Leid. Der Stall mit Halle dran ist wie ein riesiger Bunker, die Pferde kommen nie raus, keine Weide oder Paddock, keine Reitwege hier, keine Fenster nach draußen oder in die Stallgasse, und Mauern zwischen den Boxen. Manche Tiere werden anscheinend gar nicht geritten. Der Stall an sich sieht zwar ordentlich aus und ist neu gestrichen, aber die Boxen sind nicht gemistet und bei den meisten Pferden ist in ihrem Wassereimer nur noch dreckiger Bodensatz und die Hufe sind zu lang. Und dann kriegen sie auch noch schimmeliges Heu zu fressen und stehen in Spänen, die Xia und mich niesen lassen… Warum die Kosten und Mühen, wenn es draußen viel herrliches Weideland gibt?! Das hier spricht gegen alles, wofür ein Pferd für mich steht. Nur die Kühe kommen raus, immerhin, aber die Milchproduktion wird ja in der EU subventioniert wie noch was… Wobei das anscheinend hier nun auch gestoppt wurde, und nun gibt es Massen an Kühen, dafür wurden alle Obstplantagen  und Wälder niedergemacht.

Die Familie beginnt nun wie ein Einsatzteam allen Pferden Wasser und Heu zu geben und die Box von Umdeus auf Vordermann zu bringen (obwohl sie dafür eigentlich bezahlen). Ich darf ihn derweil longieren und in der Halle reiten. Umdeus ist zunächst verkrampft, er wurde früher misshandelt, er besitzt zwar Feuer, spult aber nur das perfekte Programm ab. Auch läuft er sehr steif und scheint Arthrose zu haben. Er tut mir einfach nur Leid. Ich sorge dafür, dass er hinterher wenigstens mal kurz an die Luft kommt, ich reite eine Runde um das Gelände, was er sehr brav wenn auch ängstlich mitmacht und dann darf er nochmal am Halfter ein bisschen grasen. Ich vermisse Kairo…

Abends grillen unsere Gastgeber auf der Terrasse Fleisch, trotz Regen, gegessen wird drinnen. Es gibt Risotto und einen Bohneneintopf, für mich füllt Xia vom Risotto etwas in einen kleinen Topf um, bevor als letzter Schritt noch Käse in den großen Topf kommt. Ich weiß es zu schätzen. Von den Bohnen probiere ich nur ein Minibisschen.

Die Nacht ist etwas unangenehm wegen meinem schmerzenden Ohr…


18.7.

Ich wache erst kurz vor zehn auf, Ohr immer noch zu und schmerzt etwas. Ich koche einen großen Topf voll Reis, auch als Vorrat für die nächsten Tage (kann mich ja nicht nur durchfüttern lassen), dazu drei Spiegeleier und Zucchinischeiben. Ich will in den Fotoladen in Santa Cruz, um Bakhtawar und Peter ein paar der Fotos von meiner Zeit hier entwickeln zu lassen, von den Tieren, von Steffi, Patrick und mir als Erinnerung, und ich habe auch die Leute oft unbemerkt fotografieren können. Dort muss ich allerdings erstmal ewig warten und dann kommt die Frau dort nicht so recht mit der Maschine und dem Drucker zurecht, was nochmal ewig dauert. Ich sage schließlich, dass ich später nochmal wieder komme. Denn ich habe Peters Auto draußen stehen gesehen und erhoffe mir nun, ihn und die anderen draußen zu treffen. Und tatsächlich, die beiden und ihre Freunde und Familie sitzen vor dem Restaurant auf dem großen Platz. Ich gratuliere Bakhtawar zu ihrem 70. Geburtstag, sie sagt, ich solle doch mit Patrick dazukommen. Peter ist auch wieder aus Deutschland zurück, ich freue mich sehr, ihn wiederzusehen und dass er und Patrick sich endlich kennen lernen. Er gibt mir außerdem den Ratschlag für mein Ohr, es mit Wasserstoffperoxid auszuspülen, und wo ich es zu kaufen kriege. Wir genießen die große, fröhliche Runde und das Essen (in der Gemüsecremesuppen sind leider Bohnen mit reinpüriert) und Peter sagt der Bedienung, dass sie mir eine extra große Portion vom Hauptgericht (Hähnchen Stroganoff) holen soll, weil ich immer so viel esse.

Dann gehen wir nochmal in den Fotoladen, dort haben sie die Fotos sogar in der Zwischenzeit gedruckt. Ich falle allerdings aus allen Wolken: 31 Fotos in 13×18 kosten uns 46,50 Euro! Und das auf so labbrigem Fotopapier und zweitklassiger Druckqualität! Hätte ich nur vorher mal gefragt…

Wir holen noch Zutaten, um glutenfreie Muffins für Bakhtawars Geburtstagsfeier zu backen: Reis- und Maniokmehl, Eier, Ingwer, dunkle Schokolade, reife Bananen, Kokosraspeln, dazu kommt noch mein Dattelsirup. Ich brauche zwar etwas, bis ich mit dem Ofen von Xia klarkomme, aber immerhin ist sie auf der Arbeit und ich kann in Ruhe machen. Das einzige ist, dass sie es irgendwie zu riechen scheint, dass ich anfange und genau dann ihre Tochter anruft, damit sie mir noch ein paar Utensilien bereit stellt. Naja, damit kann ich leben.

DSC_0150Dann geht’s los Richtung Luz, wieder mit unserem Taxifahrer. Leider regnet es, sodass die vielen Gäste sich nach drinnen quetschen müssen, aber die Küche ist ja sehr offen und geräumig und vorne gibt es den schönen Wintergarten. Es sind viele Gäste gekommen (sogar Sónia, was mich freut) und es wurde sehr viel an Kuchen und Süßspeisen mitgebracht. Ich halte mich an meine Muffins, tue mir aber etwas von einer süßen Sahne-Maracujacreme mit drauf. Später esse ich vor Hunger auch noch von einer Art sehr süßem Milchreis. Bakhtawar freut sich riesig über die Fotos, auch die anderen Gäste schauen sie mit Interesse an. Ansonsten habe ich ihr noch meine Packung süße Tamarinden geschenkt, die Patrick aus Deutschland mitgebracht hatte, und vegane Bio-Schokolade. Ich komme mit einem älteren (ca. Anfang 70-jährigen) deutschen Ehepaar ins Gespräch, die wohl ziemlich einen Narren an mir fressen und uns für morgen auf ihr Anwesen in Luz einladen. Sehr intelligente und noch fitte Leute, die Frau hat mehrere Karrieren hinter sich, auch gestalterisch und sportlich. Ein Portugiese lädt mich außerdem noch ein, dass er mir ein frisch geschlüpftes Coryküken zeigt in der Nähe seines Hauses. Schade, dass ich alles nur gehandicapt genießen kann, denn mein linkes Ohr ist komplett zu und schmerzt und ich fühle mich etwas schlapp.

Ich zeige Patrick den wunderschönen Garten, und als der Regen nachlässt, wird hinten Lagerfeuer gemacht, allerdings gibt es nur Maiskolben, Stockbrot und Zucchini, sodass ich ziemlich hungrig bleibe und es mich notgedrungen wieder zum süßen Buffet treibt. Später werden drinnen noch in gemütlicher Runde Lieder zur Gitarre gespielt, in Portugiesisch, Englisch und Deutsch. Es ist so schön zu sehen, wie die Menschen unterschiedlicher Kulturen hier so eng zusammenrücken und man sich über die Musik versteht. Überhaupt ist es hier anders als in Deutschland. Man muss sich nie einsam fühlen, die Häuser und die Menschen sind so viel offener und herzlicher, während in Deutschland doch jede Wohneinheit sehr isoliert für sich lebt. In Deutschland ist irgendwie jeder unzufrieden, dass man zu wenig gemeinsam unternimmt und besucht wird, hier wirkt alles wie eine große Familie und die Türen sind immer offen.

DSC_0148Doch ich merke, dass Bakhtawar müde ist und so langsam genug vom Trubel hat. Also beschließen Patrick und ich, zu fahren, doch unser Taxifahrer hat sein Handy aus… schläft wohl schon. Samuel, der älteste Sohn der befreundeten Familie, die gerade bei Peter und Bakhtawar wohnt, bietet an uns nach Santa Cruz zu fahren, was total lieb ist. Aber mal sehen, möglicherweise braucht er demnächst mal einen Couchplatz in der Nähe von Frankfurt zum Schlafen…

Xia ist noch wach und eröffnet mir, dass sie in unserem Zimmer war um das Bett zu machen und aufzuräumen und meine getragenen Klamotten zu holen und zu waschen… ohmann, ich will wirklich nie mehr jemandes Kind sein… Aber immerhin kriege ich bei ihr noch ein dickes Stück Fleisch, denn ich habe noch schrecklichen Hunger und gleichsam furchtbare Blähungen von den ganzen Kohlenhydraten. Ich merke, dass ich essenstechnisch sehr gut in diese Familie reinpasse.


19.7.

DSC_0151Immer noch keine Besserung meines Ohres, immer noch komplett zu und etwas schmerzhaft. Fahren nachmittags nach Luz zu Peter und Bakhtawar, denn wir wollen ihren Cousin Bernd zur Wanderung um den Vulkankrater abholen. Er macht noch Mittagsschlaf, deswegen hat Peter Zeit, mal richtig in mein Ohr zu gucken. Auch der Familienfreund, der gerade aus Deutschland mit seinen Kindern im Gästehaus, wo wir in der ersten Woche gewohnt hatten, Urlaub macht, ist Arzt und schaut nochmal rein, und beide sind sich einig, dass ich am besten Ohrentropfen mit Antibiotika und Cortison nehmen soll, die wir auch grad holen fahren. Dann wandern Patrick, Bernd und ich noch um den Caldeira, was ziemlich genau zwei Stunden dauert. DSC_0156Danach besuchen wir noch das alte Ehepaar mit dem Ferienhaus in Luz zum Abendessen. Sie kommen in der Regel zweimal im Jahr für je zwei Monate hier her. Es ist ein traumhaftes Häuschen, alles ganz neu renoviert, aber die Lavasteine schauen noch aus der Wand heraus, sehr rustikal. Auch viele vom Mann selbst gezimmerte Möbel und eine Terrasse mit einem herrlichen Blick über Luz, den Vulkan und in der Ferne das Meer. DSC_0160Auch der Garten ist ein Traum, mit Swimmingpool und kleinem Tennisplatz und verschiedene tropische Früchte gedeihen hier. Wir bekommen einen Salat, der quasi vor unseren Augen frisch im Garten gepflückt wird, als Hauptspeise gibt es Nudeln mit Gemüse-Fleischsoße. Ein paar der Nudeln esse ich schon, sie sind zum Glück sehr weich gekocht (mochte ich so schon immer am liebsten), für den Rest habe ich die leider wahre Ausrede, dass mir das Kauen sehr weh tut.Ich würde mich gerne noch länger mit den beiden unterhalten, sind echt tolle Leute, aber mit dem zuen Ohr ist es blöd und dann geht es mir auch zunehmend schlechter.

Danke an Bernd für das Foto!
Danke an Bernd für das Foto!

Meine ganze linke Seite scheint anzuschwellen und ich fühle mich fiebrig. Ich bin fix und fertig. Zuhause muss ich eine Ibuprofen nehmen, woraufhin sich Patrick ernsthafte Sorgen macht, denn ich nehme vielleicht zweimal im Jahr, wenn überhaupt, irgendwelche Schmerzmittel. Ich gehe direkt schlafen, ziehe mich gar nicht erst aus, denn ich bin fix und fertig.

 


20.7.

DSC_0169Ich wache auf und ich weiß: Ich ergebe mich. Ich brauche die Antibiotika. Mir geht es sehr schlecht, meine Lymphknoten sind geschwollen auf der linken Seite und ich habe einfach nur Schmerzen. Die Ohrentropfen scheinen nicht zu helfen. Echt furchtbar, was wird es mit meinem Körper machen? Kriege ich das jemals wieder repariert? Von allen Dingen ausgerechnet Antibiotika… dazu die Schmerzmittel, die ebenfalls eine starke Belastung für die Darmschleimhaut darstellen… aber ich muss jetzt vernünftig sein, morgen geht der Flug… ich muss wenigstens etwas fitter werden! Patrick geht für mich zur Apotheke, ich bitte ihn, zu versuchen, mir außerdem Nystatin mitzubringen, um eine Candidaausbreitung zu verhindern. Was sie ihm aber stattdessen mitgeben, ist antifungizide Vaginalcreme… Naja, war sicher nett gemeint und den Versuch wars wert… Ich schlucke die erste Antibiotikapille, danach direkt eine Perenterol forte (die Hefen werden nicht von Antibiotika getötet und schützen ebenfalls vor Candida) esse danach etwas (ooh, von gestern ist Rinderleber übrig!) und lege mich sofort wieder hin. Ich verbringe den Tag im Bett, gegen Abend machen Patrick und ich dann nochmal einen schönen Spaziergang hoch zur Kapelle und am Rand von Luz entlang. Es ist sehr schön, doch als die Schmerzmittel wieder aufhören zu wirken, kommen wieder starke Schmerzen, ich kann nicht reden, nicht lächeln, jeder Schritt tut weh. Und es ist so ein schöner, warmer Tag heute und ich konnte nicht schwimmen…

DSC_9993Xia nimmt genau meinen Zustand unter die Lupe und gibt mir noch einen Blister Ibuprofen. Sie hat einen Zucchiniauflauf mit Hackfleischsoße und gluten- und milchfreier Bechamelsoße gemacht! Echt krass, sie scheint jedes bisschen von dem, was ich über meine Ernährungsweise erzähle, aufzusaugen wie ein Schwamm. Außerdem gibt es noch eine Karotten-Zucchini-Kartoffelcremesuppe, genau das richtige für einen eingeschränkten Darm. Und wirklich lecker!

Beim Essen erzählt sie, dass sie im Supermarkt dem Arzt aus dem Krankenhaus begegnet ist, der sich nach meinem Zustand erkundigt hat. Er habe an dem selben Tag nämlich noch mehr Patienten reinbekommen, die alle über dasselbe Problem geklagt haben, die zuvor am Strand von Praia gebadet hatten. Und bei ihnen scheinen die Antibiotika nicht anzuschlagen. Verdammte Axt, war da etwas im Wasser vom Hafen?! Das ist wirklich nicht gerade beruhigend…

Ich nehme weiter meine Omnifloras, einfach im großen zeitlichen Abstand zum Antibiotikum. Ich bekomme Blähungen und mein Stuhlgang ist nun ganz anders, wie als ich ein Probiotikum mit Lactobazillus plantarum genommen hatte…


21.7.

DSC_0188Ohr immer noch zu, keine wirkliche Besserung meines Zustands, meine Haut ist ungewöhnlich trocken, vor allem um die Fingernägel, aber Darm okay und ich fühle wieder mehr Motivation, etwas zu unternehmen. Gehen zu Pedro ins Büro und er nimmt uns mit auf eine Inseltour, da er mehrere Projekte kontrollieren muss. Ein Aussichtsturm, von dem man über die Insel und in den Krater blicken kann, Infotafeln, die an verschiedenen Stellen der Insel aufgestellt wurden… außerdem zeigt er uns Stellen, wo er noch Projekte plant und einfach nur Orte, die außerdem noch sehenswert sind. Wir bemerken mehrfach, dass wir noch ein bisschen zu packen haben, aber er hält noch hier und dort an. Patrick wird schon nervös, aber ich bin begeistert, viele Ecken der Insel kannten wir noch gar nicht! Wir sehen die beiden Leuchttürme, wunderschöne Buchten (wenn ich doch nur schwimmen könnte! Und überhaupt noch ein paar Tage mehr hier hätte…), den kleinen Vulkankrater („Caldeirinha“)… Er hat offenbar große Freude daran, mit uns diese Tour zu machen und will uns gar nicht mehr fort lassen… Auch Xia scheint traurig zu sein, dass wir gehen müssen. Die beiden und ihre Tochter begleiten uns noch an den Flughafen, wo auch Bakhtawar und Peter sind, um ihre Gäste zu verabschieden, die mit uns fliegen. So bin ich zwar schon traurig beim Abschied, aber wir sind nicht ganz allein und irgendwie fühle ich mich auch anders. Ich könnte zwar noch ewig hier bleiben, aber es ist schön, dass ich nun mit meinem Schatz nach Hause fliegen kann und ich weiß vor allem: Ich habe es in der Hand. DSC_0212Ich entscheide, wann ich wiederkommen werde. Wann ich mein geliebtes Meer wiedersehe. Aber vor allem nimmt mich die große Angst davor, dass ich mit meinem Ohr Probleme bekommen werde, jetzt komplett ein. Vorm Abflug hatte ich auch nochmal eine Ibuprofen geschluckt. Ich versuche, mit Entspannungstechniken zu verhindern, dass ich mich zu sehr stresse, denn das alleine schon kann zu körperlichen Reaktionen führen (ich hatte heute aber auch eine etwas höhere Dosis von meinen Adaptogenen genommen). Am besten funktioniert, mich einfach ganz auf den Moment zu konzentrieren, auf meinen Atem, den Sitz vor mir, unter mir, das Geräusch der Motoren… und es geht alles gut, mein Ohr kann den Druck noch ausgleichen, das Mittelohr scheint also frei zu sein. Auf Terceira gehen wir mit den anderen nochmal in eine nette Snackbar gegenüber des Flughafens, wo ich sogar Leber mit Kartoffeln bekomme (nur ein sehr eingetrocknetes Randstück lasse ich mal lieber liegen). Dann geht es weiter nach Lissabon, und auf dem Flug fällt es mir so satt dann auch leicht, das Sandwich abzulehnen.

Die Nacht am Flughafen wird echt der Horror, da wir es geschafft haben, das einzige Gate als Schlafplatz auszuwählen, von dem morgens um 4 ein Flieger geht… Auch mein Ohr macht wieder Probleme.

Auf der Rückfahrt im Zug vom Frankfurter Flughafen werden wir von einem aus unserer Gegend auf Englisch angesprochen, für ihn sehen wir aus wie Fremde und er will uns erklären, wo wir aussteigen müssen… Bieten wir so einen exotischen Anblick? Habe ich mich so verändert?

Nach dem Wochenende ist mein Ohr immer noch zu und ich lasse es mir beim HNO-Arzt freispülen, was eine große Erleichterung ist.

Fazit meiner Azorenreise

Video über meine Azorenreise

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