Warum geht es mir schlechter, wenn ich mich gesünder ernähre?

Immer mehr Menschen entwickeln ein Bewusstsein für gesunde Ernährung, und wie sie positive Auswirkungen auf unser Wohlbefinden, sogar auf chronische gesundheitliche Probleme nehmen kann. Oft wird mutig auf eine bestimmte Ernährungsform umgestiegen, man ist motiviert und voll dabei, betreibt einen hohen Aufwand für das Erlernen und Zubereiten neuer Gerichte, schafft extra neues Equipment und Kochbücher an und gibt viel Geld für Kurse und hochwertige Bio-Lebensmittel aus. Doch dann der Frust: Die erwünschten Ergebnisse bleiben aus. Oder es geht einem zunächst besser und die Motivation steigt nochmal an, und plötzlich erreicht man ein Plateau, oder die positive Wirkung kehrt sich komplett um, neue Symptome treten auf oder alte werden sogar noch schlimmer! Seien es Hauterkrankungen, Allergien, Autoimmunerkrankungen, Erschöpfung, kognitive Beschwerden, Reizdarm, Unter- oder Übergewicht, das man in den Griff bekommen möchte, viele machen die selben extrem frustrierenden Erfahrungen.

Wenn dir das bekannt vorkommt: Du bist nicht allein. Vielen meiner Leser und Menschen, die ich betreue, geht es so, und auch mir selbst ist es so ergangen. Man nimmt die Sache wirklich ernst, will etwas verändern und sich voll darauf einlassen und probiert eins nach dem anderen durch: Vollwertkost, Vegetarisch, vegan, Rohkost, LOGI, Lowcarb, ketogen, glutenfrei/kaseinfrei, Paleo, Autoimmun-Paleo, GAPS, BodyEcology… Doch irgendwie scheint man sich im Kreis zu drehen oder es sogar noch schlimmer zu machen. Viele schmeißen irgendwann frustriert hin, weil es einfach nicht durchzuhalten ist, oder zweifeln komplett daran, selbst etwas ausrichten zu können, andere beginnen, verschiedene Diäten zu kombinieren und streichen ein Lebensmittel nach dem anderen, bis sie fast mit dem Rücken zur Wand stehen und immer mehr abnehmen…

Das Problem, das ich hier erlebe, ist folgendes: Ja, ich bin fest davon überzeugt, dass man mit der Ernährung viel erreichen kann. Der Großteil unserer Interaktion mit unserer Umwelt verläuft über unsere Nahrungsaufnahme, denn im Darm muss alles strengstens geprüft werden auf Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten sowie Giftstoffe, die wir mit der Nahrung aufnehmen, wenn wir tagtäglich einen kleinen Teil unserer Umwelt (unser Essen) zu einem Teil unseres Körpers (oder zu dessen Treibstoff) zu machen. 70-80% unseres Immungewebes residieren deswegen in unserem Bauch, fest mit unserem Darm verbunden. Biologisch gesehen gilt der Inhalt des Darms noch als “außerhalb” des Körpers.

Aus diversen Gründen nehmen heutzutage Nahrungsmittelunverträglichkeiten immer mehr zu und deswegen kann man erstaunliche Verbesserungen auf zumindest einen Teil der gesundheitlichen Beschwerden erfahren, wenn man gewisse Nahrungsmittel reduziert oder ganz streicht (zumindest für eine Weile). Doch was ist, wenn bei einem selbst die Wundergeschichten ausbleiben, die man von anderen hört? Ich weiß selbst, wie am Boden zerstört man sein kann.

Die Sache ist die: Wenn du etwas aus deiner Ernährung streichst, musst du dies automatisch durch andere Lebensmittel ersetzen. Kartoffeln werden ersetzt durch Süßkartoffeln, Reis durch Blumenkohl, die Limo durch Kombucha, Milch durch Mandelmilch… Oft wird gezielt eine nährstoffgeballtere Ernährung angestrebt und umgesetzt, was auch erstmal ein lobenswerter Plan ist. Doch was, wenn der Körper nicht bereit ist? Oder sogar individuelle biochemische Besonderheiten bestehen, die es einem persönlich erschweren, gewisse Stoffe abzubauen?

Ein typisches Problem ist oft die zu schnelle Umstellung. In diesem ausführlichen Artikel beschreibe ich sehr genau, warum pflanzliche Nahrung so kniffelig ist für unseren Körper und mit welchen chemischen Tricks Pflanzen, denen es an Klauen und Zähnen zur Verteidigung mangelt, und die auch nicht weglaufen können, sich vorm Verzehr schützen. Die Darmflora ist noch nicht bereit für den Abbau bestimmter Antinährstoffe und plötzlich wird der Körper geschwemmt z.B. mit Oxalaten. Ich kenne persönlich Fälle von Personen, die nach Radikalumstellung auf Rohkost-, grüne Smoothie- und Safternährung oder die Zufuhr entsprechender Nahrungsergänzungsmittel plötzlich an einem Nierenstein erkrankten. Darüber hinaus werden beim Abnehmen immer in den Fettzellen eingelagerte Toxine (der Körper produziert übermäßiges Körperfett nämlich oft gerade aus diesem Grund: Wenn er nicht genug ausscheiden kann, die Organe aber irgendwie schützen muss) freigesetzt. Ein zu schnelles Freisetzen dieser Toxine ohne entsprechende Entgiftungsmaßnahmen kann zu einem toxischen Schock und einem epigenetischen Shift hin zu einer Krankheit führen.

Dann bestehen vielleicht weitere individuelle Besonderheiten, die es dem Körper erschweren, mit bestimmten Stoffen fertig zu werden. So kann eine zu geringe Aktivität unseres histaminabbauenden Enzyms Diaminoxidase dazu beitragen, dass auch an sich super gesunde Lebensmittel wie Kombucha, Sauerkraut und Kefir nicht vertragen werden. Vielleicht verbessert sich dadurch die Verdauung, aber Ekzeme verschlimmern sich und man hat mit bleierner Müdigkeit und Hirnnebel zu kämpfen. Besonders Sorgen mache ich mir dann bei so manchen Trends, wie z.B. sich für eine Phase fast nur noch von Fisch und Meeresfrüchten als Proteinquelle zu ernähren, wenn sich jemand dieser Problematik nicht bewusst ist.

Oder man reagiert empfindlich auf FODMAPs oder Schwefelverbindungen und versteht nicht, wieso man auf die an sich Superfoods Kohl- und Zwiebelgemüse so stark mit der Verdauung reagiert.

Dann können natürlich individuelle Allergien und Intoleranzen gegen einzelne Lebensmittel oder ein Leaky Gut (durchlässiger Darm, intestinale Permeabilität) immer dafür sorgen, dass gewisse Lebensmittel Probleme machen oder sich neue Probleme entwickeln. Eine Dysbiose (Candida u.ä.) oder SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung) kann ganz allgemein die Verträglichkeit von Stärke und Zuckern in der Nahrung herabsetzen. Vielleicht ist der Darm allgemein so entzündet, dass er die Nährstoffe aus der teuren und aufwändig zubereiteten Nahrung überhaupt nicht aufnimmt?

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer, noch recht unbekannter Stoffe, gegen die eine Sensitivität bestehen kann. Typische Beispiele sind Citrate und Phenole (Benzoate und Salicylate). Hier können es die besten Superfoods sein wie Zitrusfrüchte, Heidebeeren, Avocados, Kurkuma und Kräuter, die Probleme bereiten. Die Symptome können vielfältig sein, angefangen bei Verdauungsbeschwerden, über Probleme mit der Haut und Atemwegen bis hin zu schwerer kognitiver Beeinträchtigung, ganz typisch auch bei Depressionen, ADHS und Autismus.

Einer der wichtigsten Gründe ist meines Erachtens, dass der Übergang von verarbeiteten zu frischen Lebensmitteln das banale Risiko mit sich bringt, dass frische Lebensmittel schnell verderben. Viele meiner Klienten (und ich selbst) reagieren empfindlich auf Schimmeltoxine und bakterielle Abbauprodukte. Mir gefällt deswegen eine der Grundregeln der Weston A. Price Foundation: Iss nur Lebensmittel, die verderben können, aber iss sie, bevor sie dies tun!

Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal betonen: Aufgrund genetischer, biochemischer und weiterer Grundlagen ist es kaum möglich, dass eine Ernährungsform halten kann, was sie verspricht, wenn sie angeblich für die breite Masse geeignet sein soll. Es fängt schon bei unterschiedlichen Makronährstoffbedürfnissen (Kohlenhydrate, Fett und Protein) an, dazu ändern sich unsere körperlichen Bedürfnisse je nach Lebenslage, Belastung, Alter, Jahreszeit…


Nur Mut! Vielleicht sind nur kleine Anpassungen an deiner Ernährung vonnöten! Auf meinem Blog liefere ich viel an grundlegenden Informationen, was es alles an Unverträglichkeiten gibt, mit welchen Erkrankungen sie im Zusammenhang stehen können, was es an Alternativen gibt und was für eine bessere Toleranz unternommen werden kann. Obendrein habe ich einige Rezepte mit möglichst schonender Zubereitungsweise und leicht verdaulichlichen Zutaten entwickelt, mit vielen Austauschmöglichkeiten.

Gerne greife ich dir auch persönlich unter die Arme und erarbeite mit dir zusammen eine Ernährung, die für deine Bedürfnisse optimiert ist, und nehme obendrein andere Aspekte deines Lebensstils unter die Lupe, denn auch hier kann man meist mit kleinen Optimierungen enorme Verbesserung für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden erzielen.

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5 thoughts on “Warum geht es mir schlechter, wenn ich mich gesünder ernähre?

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  • Avatar
    2. März 2019 at 6:12
    Permalink

    Hallo Doro,
    vielen Dank für deine geteilten Infos und Erfahrungen! Sie helfen mir sehr und sicher vielen Menschen auch!

    Nachdem ich nun einiges probiert habe (ähnlich wie bei dir: Von jahrelanger Veganer Ernährung nun zu Paleo) und sogar wieder “normal” gegessen zwischenzeitlich, esse ich seit einer Woche Paleo.
    Ersten 4 Tage Entzug, Stimmungsschwankungen, Hunger, Müde, Nackenbeschwerden werden deutlich weniger!
    Haut (ND) erst schlimmer, gerötet, kaum Juckreiz, sieht nur schlimm aus.
    Ab Tag 4 viel Energie, kein Hunger, gute Laune (trotz Pms). Haut macht sich sehr langsam, noch rot, viele Stellen, kein bis wenig Juckreiz, keine Pusteln nach dem Duschen mehr…. Habe jedoch viel Hoffnung und fühle mich so gut mit Getreide- und milchfreier Ernährung. Glaube auf dem richtigen Weg zu sein.

    Nach fast einem Jahr konventionell essen und Fastfood ist es sicher nicht nach ein paar Tagen getan…

    Muss ich mich bloß etwas gedulden, meinem Körper Zeit geben und die Chance sich auf die Umstellung einzulassen?

    Ich freue mich auf deine Antwort!
    Mach weiter so, dein Blog ist sehr individuell, informativ, gut recherchiert und hübsch gestaltet!

    Liebe Grüße aus Niedersachsen

    Julia Kirchner

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    • Doro
      16. März 2019 at 13:56
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      Liebe Julia,
      schön, dass du dabei bist =) Es ist gut zu hören, dass es Menschen wie dich gibt, die offen bleiben. Ja, Geduld ist das A & O, ich erlebe es hier z.B. gerade beim Aufräumen meines Dachbodens, den ich jahrelang zugerümpelt habe.^^ Wie läuft es denn momentan?
      Liebe Grüße aus Hessen,
      Doro

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