Entspannung durch Floating: Meine erste Erfahrung

Diese Woche habe ich mir endlich mal etwas gegönnt, was ich schon seit über einem Jahr mal probieren wollte: Floating (oder eingedeutscht Floaten)! Zum ersten Mal hörte ich davon, als mir ein Freund davon begeistert erzählte. Was genau ist das? Zitat Wikipedia: „Floating (engl. schweben, treiben) ist ein Entspannungsverfahren, bei dem Personen mit Hilfe von konzentriertem Salzwasser in einer speziellen Floating-Anlage (Floating-Tank oder Floating-Becken), abgeschottet von Außenreizen, quasi schwerelos an der Wasseroberfläche treiben. Im medizinischen Bereich wird die Anwendung in der Schmerzmedizin, Orthopädie, Dermatologie und Sportmedizin erforscht. Im therapeutischen Bereich wird Floating im Stressmanagement, bei Burnout-Syndrom und Suchtentwöhnung eingesetzt. Im Wellnessbereich wird Floating auch mit Licht- und Toneffekten angeboten. Angestrebt wird eine physische und mentale Tiefenentspannung.“
Man legt sich hierfür für etwa eine Stunde in eine Art Kapsel oder große Badewanne, die mit einer hohen Konzentration an Epsomsalz (Bittersalz, Magnesiumsulfat) angereichert ist, sogar in einer größeren Konzentration als man im Toten Meer vorfindet. Dadurch schwimmt man wie ein Korken auf dem Wasser und es bedarf keinerlei Muskelanstrengung mehr, sich auf der Oberfläche zu halten, es soll sogar die einzige Position sein, in der man einmal jeden Muskel im Körper entspannen kann. Die Kapsel, in der man sich hierfür befindet, ist nach außen hin schalldicht abgeschottet und ist auch nach unten gegen Vibrationen gedämpft. Das Wasser ist von der Temperatur her auf die Hauttemperatur abgestimmt, sodass man hier nach Möglichkeit völlige Reizlosigkeit erreicht. Je nach Tank hat man dann noch die Möglichkeit, Musik zu hören (unter Wasser, wo sich die Ohren befinden) und Lichttherapie einzusetzen, oder auch völlige Dunkelheit zu erzielen.
Was ist der Sinn von Floating? Durch diesen völligen Entzug von visuellen, akustischen und haptischen Reizen (man hört nichts, fühlt nichts, sieht nichts) können das Gehirn und die Nerven einmal komplett abschalten, da keine externen Daten mehr zu verarbeiten sind. Hierdurch kann eine stärkere Regeneration als bei derselben Zeit im Schlaf erzielt werden. Am besten wird es deswegen mit entsprechender Atem- und Meditationstechnik kombiniert. Es ist dann wie ein Reboot für das gesamte System. Außerdem wirkt das Magnesiumsulfat sehr regenerierend auf die Haut und durch das Magnesium und den Schwefel entgiftend auf den Körper und heilsam für Muskeln und Gelenke. Die komplette Entlastung durch die Schwerelosigkeit hilft beim Lösen von Verspannungen und wirkt regenerierend auf den gesamten Bewegungsapparat.

In Amerika ist Floating ein Trend der groß im Kommen ist, gerade für gestresste Manager, die einen möglichst effizienten Weg zur Stressreduktion suchen. Ich selbst bin zum ersten Mal wieder durch den Biohacker Dave Asprey auf das Thema gestoßen und habe mich dann entschlossen, mich darüber zu informieren. Für mich persönlich erschien es nicht nur reizvoll, weil ich schon seit Jahren die wohltuende Wirkung von Salzbädern in der heimischen Badewanne, in Thermen oder im Meer genieße für meine Haut, sondern auch wegen meiner sensorischen Überempfindlichkeit: Ich habe oft mit einer starken Reizüberflutung und Geräuschempfindlichkeit zu kämpfen, was auch als typisches Symptom für eine Autismusspektrumsstörung gilt. Ich bin ja mittlerweile der Meinung, dass auch Autismus nur eine Schublade für eine Ansammlung bestimmter Symptome ist (wie Neurodermitis), die eigentlich darauf hindeuten, dass im Körper etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, was wieder (zumindest zu einem gewissen Grad und sofern es die Möglichkeiten zulassen) grade gerückt werden kann. Mir geht es deutlich besser in der Beziehung, seit ich mich so ernähre, dass mein Gehirn bestens versorgt ist und deswegen überhaupt erst den Treibstoff besitzt, um all die Reize vernünftig zu verarbeiten (für die Bildung von Enzymen, Neurotransmittern, plus die dazugehörigen Cofaktoren, denn Reizverarbeitung gibt es nicht gratis) und gleichzeitig einen Lebensstil lebe, der neuronales Wachstum und Regeneration fördert (Sport, hochqualitativer Schlaf, Aufenthalte in der Natur, Entspannungsübungen und Meditation).

Auch meine nerdige Seite wurde ziemlich angesprochen: Seit ich Daredevil (2003) gesehen habe, habe ich mir immer so einen Tank gewünscht, wie er ihn zum Schlafen verwendet, denn in meinem extrem hellhörigen Elternhaus hatte ich fast keinerlei Möglichkeit, einmal richtig Ruhe und Entspannung zu finden. Oder wie traumhaft wäre es, einmal für ein paar Stunden in so einem Kolto-Tank wie in Star Wars zu verbringen, aus dem du regeneriert und verjüngt herauskommst!

 

Wie lief es ab?

Endlich passte dann mal alles: Zeit, etwas Geld zusammengespart und einen Anbieter in meiner Studienstadt gefunden, der einen guten Eindruck machte. Ich vereinbarte einen Termin für vormittags, 10 Uhr. Ich wurde sehr freundlich begrüßt, bekam noch eine ausführliche Einführung, alles sehr schön eingerichtet und hygienisch. Der Tank ist an eine große Filteranlage angeschlossen, die aber ausgeschaltet wird, sobald die Zeit läuft, sodass es zu keiner Störung durch Lärm, Vibration oder Wasserbewegung kommt. Gereinigt wird über eine UV-Anlage, sodass es zu keiner Belastung des Körpers oder der Haut durch Chlor kommt. Bevor es losgeht, geht man am besten aufs Klo und einmal unter die Dusche. Im Anschluss soll man sich die Zeit für ein bisschen Liegen und Entspannen nehmen im Ruheraum, wie in der Sauna, um die entspannende Wirkung zu verstärken. Ich muss sagen, dass ich vor neuen Dingen immer recht aufgeregt und nervös bin, auch wenn es besser geworden ist. Auch hier merkte ich, dass mein Herz kräftig anfing zu klopfen, als ich aus der Dusche stieg. Es kam einiges zusammen: Der fremde Ort und der fremde Mensch, der sich da einen Raum nebenan befand, dann diese riesige Kapsel und die großen Erwartungen. Mein Platzangstproblem ist schon um Welten besser geworden, trotzdem besitze ich leider, wahrscheinlich aufgrund meiner Kindheitsprägungen, eine sehr überreaktive Amygdala, also ein sehr aktives Angstzentrum, dass überdurchschnittlich darauf bedacht ist, Bedrohungen in meinem Umfeld zu detektieren. Ich arbeite aktiv daran, mein Gehirn „umzuprogrammieren“, aber hier habe ich mich glaube ich selbst etwas überfordert. Ich denke, ich hätte mir einfach ein paar Minuten mehr Zeit nehmen sollen, die Räumlichkeiten und Geräte genauestens zu inspizieren und auf mich wirken zu lassen und mehr Fragen zu stellen. Außerdem hatte ich die ganze Zeit im Hinterkopf, dass ich im Anschluss ein Seminar an der Uni und abends einen ziemlich großen und verantwortungsvollen Fotoauftrag habe.

Was ich auch nicht mehr für das erste Mal empfehlen möchte, ist es, es wie ich zu machen und sich unbekleidet in den Tank zu legen. Es ist zwar natürlich angenehmer vom Körpergefühl (bzw. hat man dann deutlich weniger Reize), aber von der Haltung her – man liegt da ja, wenn auch in der Kapsel aber trotzdem vom Gefühl her, sehr exponiert – fühlt man sich doch sehr verletzlich, deswegen probiere ich es beim nächsten Mal mit Bikini. Wie schon angedeutet, kann die Kapsel für Leute mit Platzangst ein Problem sein. Hier kann ich beruhigen: Der Deckel liegt nur auf, er schließt zwar gut ab, rastet aber in keinster Weise ein und ist von innen ganz leicht zu öffnen. Man muss es auch nicht stockdunkel im Tank haben, über einen Druckknopf kann man selbst von innen bestimmen, ob man das schummrige Licht ein oder aus haben möchte. Oder man lässt den Deckel ganz offen, der Raum selbst war abgedunkelt, nur ein sanftes oranges Licht leuchtete in der Ecke, sodass man sich gut orientieren konnte, ohne gestört zu werden. Für den Fall der Fälle gibt es auch einen Notrufknopf im Tank.

Dann ist noch ein Soundsystem an den Tank angeschlossen, auch hier kann man vom Tank aus bestimmen, ob man die Musik aus oder an haben möchte, leider fehlt ein Lautstärkeregler. Wenn ich es noch einmal mache, würde ich allerdings eigene Musik mitbringen, zur Zeit mache ich gute Erfahrungen mit binauralen Beats, aber auch Walgesänge stelle ich mir toll vor zum Entspannen. Die dort angebotene Entspannungsmusik bestand aus einem Geklimper aus einzelnen Tönen, was an dem Tag so gar nicht das Richtige für mich war. Ich bevorzugte komplette Stille und Dunkelheit.
Wie schon gesagt, war ich recht nervös, was ich durch Atmung und Visualisierungen einigermaßen in den Griff bekam, aber ein völliges Loslassen und die vollkommene Stille im Kopf, wie es mir schon ein paar Mal beim Meditieren gelungen ist, konnte ich nicht erreichen. Erst gegen Ende schaffte ich es allmählich, mich der Sache hinzugeben. Trotzdem war das Wasser angenehm von der Temperatur und ich konzentrierte mich einfach darauf, jeden Wirbel, jedes Gelenk und jeden Muskel zu entspannen, was schon sehr gut tat.

floating
Entspannter Selfie nach dem Floaten

Ich floatete für eine Dreiviertelstunde lang, was ziemlich schnell rum ging. Beim nächsten Mal würde ich mindestens eine volle Stunde buchen, man braucht schon eine Weile, um sich einzufinden und zur Ruhe zu kommen. Das Ende wird durch das sanfte Blinken des Unterwasserlichts angezeigt. Irgendwann springt dann auch die Filteranlage an, was man dann spätestens mitkriegt, falls man eingeschlafen ist, wie der Betreiber mir vorher versichert hatte. Dann heißt es warm abduschen und ab in den Ruheraum. Wichtig ist an dieser Stelle noch anzumerken, dass das Wasser durch die hohe Salzkonzentration etwas ölig ist, sodass man beim Aufstehen aufpassen sollte, nicht auszurutschen. Auch sollte man sich nicht, auch nicht während dem Floaten, im Gesicht kratzen, da man sonst für den Rest des Aufenthalts mit einem unangenehmen Brennen zu kämpfen hat. Beim Aufstehen ist darauf zu achten, dass einem das Wasser von den Haaren nicht in die Augen läuft, hierfür hatte ich netterweise noch einen feuchten Waschlappen in den Tank gehängt bekommen.
Am Ende verbrachte ich noch einmal eine Viertelstunde im Entspannungsraum, für länger hatte ich dann leider keine Zeit, weil mein Seminar rief. Das würde ich nicht noch einmal so machen, denn erst auf der weichen Liege in dem stillen Raum merkte ich die tiefe Entspannung, es war ein Gefühl, als würde ich sanft schweben oder fallen und mein Körper tiefer und tiefer in einen Strudel der Entspannung gesogen werden, während mein Geist wach und anwesend war.

Der Reizentzug an sich beim Floaten war sehr angenehm, es ist auf keinen Fall ein schlechtes Gefühl, das Problem ist eher, dass das Gehör beginnt, gezielt nach Input zu suchen und man sich einbildet, Vibrationen oder seinen Herzschlag zu hören, sodass es beim ersten Mal vielleicht wirklich besser ist, mit Musik oder Naturgeräuschen einzusteigen. Das Gefühl des Getragenwerdens vom Salzwasser ist wirklich sehr angenehm und einfach cool, trotz des niedrigen Wasserstandes berührt man nicht den Boden. Das Problem, das ich noch hatte war, dass für mich gerade der Tag begann und ich mich in einer Phase befand, wo ich aktiv und unternehmungslustig war, der angenehme Effekt ist sicherlich deutlich stärker, wenn man abends nach einem lauten und angefüllten Tag die Stille und Dunkelheit sucht. Auf keinen Fall würde ich es an einem warmen Tag und strahlendem Sonnenschein versuchen.
Für mich ging es danach zumindest in Kälte, Wind, Regen und Hektik. Schon dachte ich enttäuscht, dass es mir wirklich nicht sehr viel gebracht hat, aber ich muss sagen, dass ich den Tag hervorragend bewältigte, obwohl mich abends noch wirklich größter Stress und das absolute Reizbombardement erwarteten, während ich die Nacht zuvor nicht so gut (bei einer Freundin) geschlafen hatte. Die darauffolgende Nacht schlief ich auf jeden Fall wie ein Baby.

Also, wenn du es auch mal probieren willst, ich würde es empfehlen und werde es auf jeden Fall nochmal ausprobieren. Man sollte sich nicht am selben Tag rasieren oder es bei akutem Ausschlag und frischen Wunden tun, da das Salzwasser schon brennt. Ich hatte einen Kratzer am Bein und eine etwas entzündete Stelle an einem Finger, aber es war wirklich auszuhalten. Im Anschluss fühlte sich meine Haut schön weich und gepflegt an, auch ohne dass ich sie eingecremt habe.
Man sollte in Bezug auf die Entspannung nur nicht das absolute Wunder erwarten. Auch hier spielt es eine große Rolle, was man selbst mitbringt, wie groß die innere Bereitschaft ist, sich auch darauf einzulassen und einmal abzuschalten, darauf sollte man sich wirklich vorher aktiv mental vorbereiten, aber dann steht einer genussvollen und regenerativen Stunde nichts mehr im Wege.
Vielleicht gönnst du dir auch mal diese Stunde der Stille! Verdient hast du es auf jeden Fall mal. Ich würde mich über ein Teilen deiner Erfahrungen freuen!


Du suchst eine unkomplizierte Entspannungsmethode ohne Klaustrophobiegefahr, die deine Neuroplastizität aktiviert und dir sensorische Sensitivitäten gezielt abtrainiert?

Soundtherapie

5 thoughts on “Entspannung durch Floating: Meine erste Erfahrung

  • 2. Mai 2016 at 16:43
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    Danke für den ausführlichen Bericht! Ich spiele auch schon lange mit dem Gedanken, das einmal auszuprobieren, habe mich bislang aber aufgrund der ND nicht so richtig getraut. Ein paar Macken habe ich ja doch immerzu und auch nach Bädern in Totem Meer Salz juckt mir stets der gesamte Körper.

    Ich werde es nun noch einmal überdenken.

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    • Doro
      3. Mai 2016 at 10:41
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      Hey Carolin,
      wenn du echt noch ein paar (leicht) offene Stellen hast, dann warte vielleicht lieber nochmal. Und wenn, dann eher doch nur mal ne Dreiviertelstunde um zu gucken, wie du es verträgst. Oder hast du eine Badewanne und kannst dort erst einmal das Magnesiumsulfat ausprobieren? Kriegst du günstig bei Amazon, auch wenn du beim Floaten wesentlich höhere Konzentrationen hast, aber so könntest du es überhaupt schonmal antesten.

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  • 17. Mai 2016 at 15:10
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    Meine liebe Schwägerin,
    Nach deinem Blogeintrag hier werde ich meine eigenen Erfahrungen mal mit dem Floating sammeln und dir dann gerne Bericht erstatten.
    Das Massagestudio wo ich sonst gerne hingehe hat ja nun offenbar zu.
    Zur Entspannung für die Muskulatur ist das hier denke ich genau das Richtige für mich, zumindest mal einen guten Versuch wert!
    Also, Dankeschön für deinen Bericht hier, wir sehen uns 😉

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    • Doro
      18. Mai 2016 at 9:12
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      Freut mich, dass dus gelesen hast! =) Weißt du schon wo du hingehen willst? Ich war in Gießen, kann dir die Adresse geben wenn du willst. In Wetzlar soll es auch eins geben, aber da konnte ich bislang niemanden erreichen. Aber ich glaube wirklich, dass es vor allem deiner Nackenmuskulatur mal sehr sehr gut tun würde (wobei es vielen erstmal schwer fällt, sich da dann ganz los und schweben zu lassen, das muss man aktiv zulassen. Der Betreiber hat gesagt, dass manche mit Nackenschmerzen da raus kommen, weil sie sich nicht dem Salzwasser hingegeben haben, dabei könntest du dadrauf sogar pennen, so gut trägt das). Massagen kann man für vorher oder nachher in der Regel dazubuchen. Aber ich fänds wirklich super, wenn du berichten würdest. LG

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  • 18. Mai 2016 at 12:31
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    Tja.An Wetzlar hatte ich gedacht, aber wie du schon sagst, da erreicht man niemanden (und ich habs nun etliche Male versucht unter deren Nummer).
    Ich habe nun die Auswahl zwischen Gießen und Bad Camberg-Oberselters, da gibt es wohl auch eine…Heilpraktikerin(?) die einen Floating Tank besitzt.
    Ich bin mir da unschlüssig. Es wäre zwar sehr nahe gelegen, aber ich denke ich werde mir für Samstag in Gießen einen Termin machen – immerhin hab ich dazu ja schon mal eine schriftliche Referenz hier 😉
    Ich werde wohl auch im Anschluss eine kurze Massage hinzubuchen (für den Fall dass ich mich nicht daran gewöhnen kann und dann dennoch etwas Entspannung bekomme)
    Mein Feedback bekommst du dann 😉
    LG

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