Biohacker Summit und Helsinki 2017, Teil II

Lies hier meine Zusammenfassung des ersten Tages und den Vorträgen

Da ich bereits beim Aufbau der Messe und am ersten Messetag mitgearbeitet hatte als Volontärin, durfte ich den zweiten Tag des Biohacker Summits als normale Besucherin erleben. Schon gestern hatte ich angefangen, die verschiedenen Angebote der Messestände auszuprobieren. Natürlich waren die obligatorischen Smoothiepulver und Riegel mit von der Partie und es gab unglaublich leckere Rohkosttorten aus Superfoods (z.B. Beeren aus Wildsammlung aus den finnischen Wäldern). Zum Mittagessen konnte man zwischen Reispfanne mit gerösteten Insekten und bangladesisch wählen (das Gericht mit Fleisch war leider mit Fischsauce und sehr scharf), mir persönlich hat ehrlich gesagt ein gutes Steak gefehlt, da mein Gehirn bei so viel Input wirklich viel Protein braucht. Zum Glück hatte ich vor jedem Messetag immer richtig gut gefrühstückt. Die wirklich guten Essens-Sachen gab es alle schon ein paar Tage zuvor beim “Upgraded Dinner”,  ein Superfoodabendessen für die VIPs.

Rote Bete-Rohkosttorte

Schön fand ich, dass es viel typisch Finnisches zu testen gab, wie Chagaextrakt, ein Pilz, der auf Birken wächst, seit Jahrhunderten aus der russischen Volksmedizin bekannt ist und gute immunmodulierende Eigenschaften besitzt. Er soll einen vielfach höheren ORAC-Wert als OPC besitzen.

Chaga-Pulver

Auch Yarrow Willard, der “Herbal Jedi”, hatte einiges seiner eigenen Pülverchen und Extrakte aus Kanada mitgebracht, aus Heilpilzen, Algen und anderen Adaptogenen, die man nach Lust und Laune austesten und darüber mit ihm ins Gespräch kommen konnte. Ich genoss es sehr, mich mit ihm zu unterhalten, alleine schon, ihm einfach zuzuhören in seiner Begeisterung für die natürliche Medizin.

Mit Yarrow Willard aus Kanada

Ich probierte außerdem ein bisschen was von dem technischen Spielzeug aus: So wurde eine Matte ausgestellt, auf der man liegt, die gepulste elektrische  Stimulationen erzeugt (von denen man allerdings nichts merkt), die seit einiger Zeit klinisch eingesetzt wird zur Verbesserung der Mikrozirkulation der kleinsten Kapillaren, die bei den meisten Menschen sehr schlecht geworden ist aufgrund unseres ungesunden Lebensstils. Unsere Mikrozirkulation macht es z.B. überhaupt erst möglich, dass unsere Nährstoffe aus dem Darm aufgenommen und zu allen Zellen gebracht werden können. Ca. dreiviertel unsere Blutgefäße gehören zum Mikrozirkulationssystem. Man weiß heute noch nicht genau, wie die Vasomotion, die autonomen Muskelbewegungen, die den Blutfluss durch die kleinsten Kapillaren steuert, reguliert wird. Die regelmäßige Nutzung dieser Matte soll die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung aller Körperteile und Organe verbessern. Die Bemer-Technologie wird auch im Reitsport eingesetzt, zur Regeneration und Entspannung von Turnierpferden.

Danach probierte ich zwei ganz tolle Alternativen zum Bürostuhl und für eine gesündere Schreibtischarbeit aus: Eine Art Fußwippe aus Holz, auf der man steht und immer ein wenig balancieren muss und fast automatisch in den entlastenden Qigongstand kommt, kombiniert mit einem Stehschreibtisch (der Entwickler erklärte, dass das viele Sitzen Mitschuld an der Entstehung der Fettleber hat), und einen Stuhl, auf dem man wie auf einem Sattel sitzt, der den Rücken entlastet und den Blutfluss in der Sitzmuskulatur verbessert. Wir hegen eine solch ungesunde Sitzkultur heutzutage! Der Erfinder ist selbst Reiter und hat ebenso wie ich festgestellt, dass er zu Pferde automatisch eine gute Körperhaltung einnimmst. Ich finde den Stuhl wahnsinnig bequem, und perfekt mit dem dazu passenden ergonomischen Schreibtisch, der einen richtig umschmiegt. Das wäre auf jeden Fall eine tolle Investition für die Zukunft, ich neige zu einer miesen Haltung am Schreibtisch…

Übrigens hat es mich erschreckt und wütend gemacht zu erfahren, dass ca. 60% der Gesundheitssystemkosten drauf gehen wegen Herz-Kreislauferkrankung, Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Rückenschmerzen. Wieso muss ich das mitfinanzieren, obwohl ich selbst nicht betroffen bin (ok, von schlechter Blutzuckerregulation war ich bereits betroffen) sondern sehr vieles tue, um das bei mir zu verhindern!

Dann traute ich mich in die Kryokammer. Kältetherapie wird schon lange bei Rheuma eingesetzt. Durch die Kälte werden immunmodulierende Enzyme aktiviert und fehlerhafte Mitochondrien abgebaut und durch neue ersetzt, weswegen sie eine gute Therapie bei chronisch entzündlichen Erkrankungen darstellt. Besonders eingesetzt wird es außerdem im Spitzensport zur Erhöhung der Regeneration nach einem Training und quasi als plastische Chirugie ohne Messer, da die Kälte fettabbauend wirkt. Desweiteren werden wie nach Saunanutzung Endorphine freigesetzt und man hat einen entspannenden Effekt. Man versicherte mir, dass es völlig ungefährlich, nur bei Raynaud-Syndrom eher abzuraten sei, doch das bin ich weitestgehend los, das letzte Mal war nach einer mega stressreichen Phase letztes Jahr. Man steht darin in Unterwäsche mit dicken, schützenden Hausschuhen, Kopf schaut oben heraus und die Hände soll man auch oben auf dem Rand lassen. Dann strömt flüssiger Stickstoff ein und innerhalb von 3 Minuten, in denen man drin stehen muss, wird die Luft um einen auf -135°C abgekühlt. Ich war schon nervös und es wurde wirklich beißend kalt (draußen herrschte ja auch finnisches Herbstwetter), aber dann war es auch schon ganz schnell wieder vorbei. Es arbeitete noch lange nach in meiner Haut, irgendwie ein metallisches Gefühl, aber angenehm, belebt.

Danach ging ich nach draußen, um den thermogenetischen Spa auszuprobieren. Ich hatte mich immer noch nicht entschieden, ob ich es wagen sollte mit dem Eiswasserbad… Aber erstmal in die holzfeuerbetriebene Sauna. Dort drin durfte ich an einer wunderbaren Saunazeremonie teilhaben. Zunächst durfte jeder eine Sache teilen, die ihn auf dem Summit ganz besonders angesprochen hatte, die er mit nach Hause nehmen würde. Ich trug vor, mehr die Balance zwischen der maskulinen und der femininen Energie zu würdigen, zwischen Technik, Information, Wissen, Leistung und Natur, Bauchgefühl, meiner inneren Weisheit, Genuss. Danach durfte jeder einen Wunsch in die Kelle mit Wasser legen, was man in seinem Leben verändern möchte, die dann ins Feuer gegossen wurde, und ich stellte mir vor, wie die Wassermoleküle in die Luft aufsteigen und unsere Wünsche in den Himmel und um die Welt tragen.

Vorsicht, wenn du noch an schwerem Mastzell Aktivitäts Syndrom leidest, da sollte man den Körper nicht überfordern, sondern vorher noch ein paar Baustellen angehen

Ermutigt und gestärkt mit innerem Feuer trat ich dann die Eroberung des Eiswasserbades an. Ich erinnerte mich an die Lektionen von Kaspar van der Meulen und konzentrierte mich darauf, mit meiner Atmung meinem Körper (und vor allem den Mastzellen) Ruhe und Sicherheit zu vermitteln. Beim ersten Mal war es noch sehr schwer, aber ich schaffte es bis zum Hals ins Eiswasser und blieb für ein paar Sekunden drin! Das genügte mir an Triumph und ich machte mich schnell zurück in die Sauna. Der arme Mensch neben mir glaubte mir sofort, dass ich im Eiswasserbad gewesen bin… *g* Aber die Anwesenden jubelten mit mir. Beim zweiten Mal schaffte ich es sogar, mit fast dem ganzen Kopf unterzutauchen und etwa eine halbe Minute drin zu bleiben. Danach lief ich noch eine Runde durch den kalten Wind und Regen und stieg dann in die 40°C warme Wanne, wo ich noch tolle Gespräche führte, auf ein paar Deutsche traf und Raija kennen lernte, eine Finnin, die für Polar arbeitet, die finnische Variante des Fitbit, einem Armband, das Körperdaten misst und an das Smartphone sendet.

Thermogenetischen Spa überlebt 😉

Danach ging ich übermütig noch ein drittes Mal ins Eis und diesmal klappte es ausgesprochen gut mit der Atmung. Ist aber mal wieder typisch ich gewesen, immer bis an die Grenzen gehen. Beim Anziehen merkte ich , dass ich am Ende meiner Kräfte war, außerdem wurde mir nicht mehr richtig warm, mein Körper brauchte Energiezufuhr, . Man ahnt einfach nicht, was das doch für eine harte körperliche Anstrengung bedeutet. Ich suchte mir schnell etwas zu Essen, ich brauchte dringend Kalorien, und dann eine ruhige Ecke in den Volontärräumen, in denen ich für ein paar Minuten die Augen schloss. Danach gönnte ich mir noch ein paar ruhige Minuten auf einer Liege, die einen mit Vibrationen in den Entspannungsmodus bringt, gepaart mit beruhigender Musik und Naturgeräuschen.

Diese Liege erzeugt Vibrationen, die den Parasympathikus aktivieren

Wie auch am ersten Abend wurde nun das Event geschlossen mit einer Kunstinszenierung. Das Künstlerpaar Evelina Domnitch und Dmitry Gelfand führten künstlerisch inszenierte physikalische Experimente vor, die auf die große Leinwand übertragen wurden. Am ersten Abend wurden Seifenblasen in einen weißen Laserstrahl geblasen, der sich dadurch zu allen Farben mit Zufallsformen aufspaltete. Am zweiten Abend wurden Wassertropfen mittels Schallfrequenzen zum Schweben gebracht, ebenfalls untermalt mit Lasern. Es entstanden zufällige Formen, Farben und akustische Phänomene mit einem fesselnden Zufallseffekt. Es war faszinierend, sich selbst dabei zu beobachten, was im eigenen Gehirn währenddessen vor sich ging. Zunächst versuchte das Gehirn krampfhaft, einen Sinn, eine Struktur, ein Muster in den Formen auszumachen. Da sich diese Formen, vor allem durch die Seifenblasen, allerdings jeglicher Vorhersehbarkeit und Berechnung entzogen, schien das Gehirn nach einer Weile komplett loszulassen und man geriet in einen entspannten Trancezustand. Die Formen, die sich beim Levitieren des Wasser ergaben, waren sehr faszinierend. Mir gefiel dieser Abschluss ausgesprochen gut, da dies nochmal einen wunderschönen Kontrast zum vorangegangenen wissenschaftlichen Teil der Vorträge lieferte. Diese zwei Künstler erschufen dort etwas, das keinen Sinn hatte, sich für nichts anwenden und auch niemals genauso wiederholen lassen würde und trotzdem etwas darstellte, was so wichtig für unser Menschsein ist. Dieses Erleben des flüchtigen Augenblicks, ohne aus einer Sache einen Nutzen ziehen zu müssen, das rein Spielerische, reiner Genuss. Wie schön, dass uns so etwas wohl immer erhalten bleiben wird und uns weiterhin das Menschsein ermöglicht! Ein wirklich gelungener Abschluss.

Danach ging es für mich aber auch schnell zurück in meine Airbnb-Apartment in Kallio (der Distrikt wird auch als das Berlin des Nordens bezeichnet), das ich nur fünf Minuten vom Veranstaltungsort ergattert hatte. Alleine schon das Wissen, mich notfalls jederzeit dorthin zurückziehen zu können, sollte die Messe mir zuviel werden, war schon total beruhigend. Es gab jeden Abend noch eine Party in einem Café, aber das wäre mir zuviel geworden, lieber ging ich früh schlafen.

Ich musste zwar das kleine Apartment mit bis zu drei anderen Personen teilen und ich schlief auf einer Couch im Wohnzimmer, diese war aber immerhin mit einer Aufstelltrennwand etwas abgeschirmt, und es gab einen kleinen Wintergarten mit Blick auf einen Park, und eine kleine Sauna. Das Beste: Mir stand eine Küche zur Verfügung und ich war die einzige, die sie für andere Dinge außer zum Teekochen nutzte.

In der Nähe gab es gute Einkaufsmöglichkeiten, wo ich Reiswaffeln, finnisches Lammhackfleisch, Kokosöl und Tiefkühlgemüse bekam. Was sich in den Packungen befand, konnte ich gut über Google übersetzen, teilweise stand es auch in Schwedisch auf der Packung, wo es noch ein paar Parallelen zum Deutschen oder Englischen gibt, oder ich kombinierte es mir aus dem, was in anderen ähnlichen Produkten drin war, zusammen.

Am nächsten Tag nahmen Raija und ihr Mann mich mit in den Nuuksio-Nationalpark 40 km außerhalb von Helsinki. Die beiden haben dort ein großes Grundstück direkt am größten See, mitten in der Natur, wirklich beneidenswert! Gerade bauen sie noch ein zusätzliches Holzhaus unten direkt am Wasser, sodass man nach der Sauna einfach in den See springen kann. Ich nahm ein tolles Mittagessen im Naturschutzzentrum des Nationalparks zu mir und machte dann noch eine Wandertour. Die Ruhe tat mir sehr gut, ich merkte, dass ich mein Gehirn überlastet hatte, es ist wie ein schmerzloser Krampf, Sprechen und Zuhören tut mir dann regelrecht weh. Ein regelrechter Hirnmuskelkater. Einfach nur dazustehen und einem rauschenden Gebirgsbach zu lauschen ist dann wie Balsam. An einer Stelle legte mich mich sogar auf eine sonnenbeschienene Stelle ins weiche Moos und erdete meine Stirn für eine Weile zum Regenerieren (seht ihr, geht auch ganz gratis ohne technische Gadgets).

Mit Bus, Bahn und Tram ging es abends wieder zurück. Den nächsten Tag verbrachte ich ganz entspannt im Apartment, erledigte Arbeiten am Laptop und unterhielt mich sehr gut mit Mohamed, der auch in dem Airbnb Apartment blieb, der für eines der weltweit größten Pharmaunternehmen arbeitet, aber selbst am Krankensystem zweifelt und gerne mehr bewegen würde. Abends ging ich dann noch mit Angéla, eine der Volontärinnen, die aus Kolumbien nach Finnland gezogen ist, in die Sompasauna, eine von freiwilligen betriebene öffentliche Sauna, ganz am Rande von Helsinki, gefühlt mitten im Nirgendwo, ganz schlicht und von einem Holzfeuer betrieben. Der Wind war abends sehr kalt, aber ich wagte mich dreimal direkt ins Meerwasser des Hafenbeckens (das aber ganz schön dreckig war) und vor allem nur um die 10°C kalt. Immer weiter atmen! Beim dritten Versuch konnte ich sogar einmal mit dem Kopf untertauchen und ein paar Züge schwimmen. Danach merkte ich aber wieder, dass meine Mitochondrien nun Schwierigkeiten bekamen, meine Körpertemperatur weiter anzufeuern, die muss ich noch mehr trainieren… Aber ich besitze ja auch nicht viel an kalorischen Reserven. Schnell dick einpacken, einschließlich Kopf, kurz am Feuer aufwärmen und dann zurück ins warme Apartment und unter die heiße Dusche! Und damit war dieses Abenteuer dann auch schon wieder vorbei.

Nach der Sompasauna am Feuer wärmen

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