Sind Nachtschatten-Gemüse Histaminliberatoren?

Eine Instagram-Followerin stellt mir kürzlich die Frage, ob Nachtschattengewächse erlaubt sind bei Histaminintoleranz oder empfindlichen Mastzellen. An dieser Stelle möchte ich meine persönlichen Erfahrungen teilen.

Im Paleo-Autoimmunprotokoll werden alle Gemüsearten der Nachtschattenfamilie in der strengsten Phase der Eliminationsdiät strikt gestrichen. Das heißt Kartoffeln, Auberginen, Tomaten, Paprika, Chilischoten, Gojibeeren, Physalis, aber auch Tabak zählen dazu.

Hauptaugenmerk, wenn um es gesundheitsbedenkliche Stoffe geht, liegt hier auf den Lektinen und Alkaloiden, die den Darm reizen und entzündliche Reaktionen antriggern können bei sensiblen Menschen (lies hier mehr zu Histaminliberatoren). Auch andere Stoffe wie Salicylate und Citrate können im höheren Maß enthalten sein.

Meine persönlichen Beobachtungen

Hier meine persönlichen Beobachtungen: In meiner sensibelsten Phase erlebte ich es, dass ich nach dem Verzehr von Kartoffeln direkt nach dem Essen schlagartig in einen ganz spezifischen Erschöpfungszustand fiel, Suppenkoma trifft es, und ich bin durchaus auch schon im Sitzen eingenickt. An etwas anderes als Mittagsschlaf war dann nicht mehr zu denken. In dieser Zeit vertrug ich ausschließlich kräftig gebackene, scharf angebratene oder mit dem Dampfdrucktopf zubereitete Kartoffeln, was auch Lektine hindeuten könnte, die dadurch zerstört werden (es kann wirklich sein, dass mein Nervensystem in eine Erstarrungs (Freeze)-Response fiel durch völlige Überforderung durch die Lektine, oder es war ein Zustand von Sauerstoffmangel, oder beides).

Außerdem vermied ich es, Kartoffel außer zum Abendessen und am Wochenende zu essen, da es mich an der Uni oder bei Fotografieaufträgen, in Momenten, wo Konzentration angesagt gewesen wäre, in echt unangenehme Situationen gebracht hatte (da hatte ich es eher mit seltsamen Aussetzern zu tun, als ob die Reizweiterleitung gestört gewesen wäre, was aber auch vom Darm kommen konnte. Da der Effekt vor allem bei kalten Kartoffeln stark war, glaube ich, dass es an resistenter Stärke lag, die ich nicht verdauen konnte. Einige Klienten erlebten Ähnliches).

Hauttechnisch, was auch mit mein bestes Warnsignal ist, gibt mein Körper aber grünes Licht bei Kartoffeln. Inzwischen habe ich diese Konzentrations- und Müdigkeitsreaktion auf Kartoffeln (selbst wenn in der Mitte eines Auflaufs mal welche nicht ganz durch geraten sind) so gut wie gar nicht mehr und esse sie zu jeder Tageszeit. Ich achte aber weiterhin darauf, grüne Stellen und die Augen großzügig zu entfernen und esse in der Regel keine Kartoffelschalen mehr.

Da die Kartoffel-Reis-Diät das erste ist, was von vielen Ernährungsberatern empfohlen wird bei starken akuten Histaminproblemen, glaube ich nicht, dass sie allzu problematisch sind.

Achtung, KEINE Nachtschattengewächse: Süßkartoffeln, Pfeffer (er enthält aber ebenfalls Alkaloide).

Paprika, selbst die rote, die mehr Fruktose enthält, und trotz des nennenswerten Citratgehalts, scheine ich aber ziemlich gut zu vertragen, sofern ich es nicht übertreibe. Sie enthält auch viel histaminsenkendes Vitamin C.

Dafür beobachte ich deutliche Hautreaktionen (vor allem stark brennende und juckende Ausschläge, mit Urtikaria habe ich lange keine Probleme mehr gehabt) auf Tomaten, Physalis und Aubergine und starke auf Chili. Gojibeere habe ich noch nicht bewusst getestet. Da ich Paprika vertrage, ist meine Überlegung, ob ich vor allem die KERNE der Nachtschattengewächse nicht vertrage, ob da noch etwas anderes drin ist (was in den Kartoffeln nicht drin ist; die eigentlichen Früchte der Kartoffel (Beeren) wachsen überirdisch und sind hochgiftig. Kartoffeln sind da echt eine Ausnahme unter den NSG, da wir hier die Knollen, und nicht die Früchte essen. Deswegen glaube ich, dass hier für die meisten Entwarnung gegeben werden kann, zumindest, wenn der Darm bereits erste Fortschritte gemacht hat).

Da ich nun meinen eigenen Garten habe, werde ich damit im Sommer mal experimentieren. Hier kann ich z.B. den Faktor “zu früh geerntet” und deswegen viele Giftstoffe noch nicht abgebaut, und natürlich auch Pestizide ausschließen. Eventuell vertrage ich ja entkernte und im Dampfdrucktopf zubereitete Auberginen, Tomaten und Physalis (von denen ich massig im Garten habe, und die ich auch sehr lecker finde).

Ich würde mich freuen, wenn du mich und die Community an deinen Erfahrungen teilhaben lässt! Wie immer gilt, jeder ist verschieden und es ist wichtig, diese Dinge mit der Zeit (wie du siehst probiere auch ich nach Jahren noch rum und entdecke noch Neues, bleibe da stets offen und konfrontiere meinen Körper auch, um wieder mehr vertragen zu können) am eigenen Leib auszuprobieren, statt alles Mögliche zu streichen, damit du sicherstellst, dass du genügend Nährstoffe erhältst.


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4 thoughts on “Sind Nachtschatten-Gemüse Histaminliberatoren?

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    23. März 2020 at 20:16
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    Hallo Doro,
    vielen Dank fürs teilen, ich habe ähnliche Erfahrungen. Tomate geht bei mir normalerweise gar nicht, mit DAO-Tablette allerdings schon.
    Bei Chilli, dachte ich, es wäre die Schärfe, etwas Pfeffer geht, zu viel (also scharf) geht nicht. Physalis mag ich nicht.
    Aubergine ist interessant, da ich sie manchmal vertrage und manchmal nicht. Vielleicht kommt es bei denen darauf an, dass sie wirklich reif sind: wir haben hier in der Saison direkt vom Biobauern kleine reife Auberginen und wenn ich so darüber nachdenke, sind das auch die gewesen, die ich vertragen habe. Größere aus dem Biomarkt ( vielleicht) importiert, waren kritisch.

    Was sind nochmal Alkaloide?

    LG be

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    • Doro
      24. März 2020 at 12:53
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      Meine Liebe,
      danke dir für das Teilen deiner Erfahrung. Das ist ja interessant, was du schreibst, kommt dann vielleicht auch auf die Sorte an? Ich beobachte das mal im Sommer. Bis jetzt sind meine Auberginenpflänzchen leider nicht aufgegangen, aber Physalis haben wir massig im Garten, wachsen hier wie Unkraut.
      Bis bald,
      Doro

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