Warum liegt der Tod im Darm?

So langsam dringt es durch ins Allgemeinwissen: Die Ursache für viele Gesundheitsprobleme ist im Darm zu finden. Doch was soll der Darm mit Allergien, Neurodermitis, chronischer Müdigkeit, Rheuma, Schilddrüsenerkrankungen oder gar Krebs zu tun haben?? Hierzu muss ich ein wenig ausholen. Wir leben in einer Umwelt, in der ein Fressen und Gefressen werden herrscht. Um uns vor anderen größeren oder kleineren Organismen zu schützen, sowie vor physikalischen Faktoren, die uns täglich Stückchen für Stückchen auseinandernehmen wie ultraviolette Strahlung, haben wir uns mit einer festen und stabilen Haut umgeben, die ziemlich wenig ins Innere durchlässt und schon mal das meiste an Schaden abfängt. Nun ist es aber leider so, dass wir keine geschlossenen Systeme sind, sondern dass es aus verschiedenen Gründen äußerst notwendig ist, dass wir mit unserer Umwelt in Austausch treten. Hierzu haben wir dünne Schleimhäute entwickelt, die eben diese speziellen Körperregionen auskleiden, an denen ein Austausch mit unserer Umgebung wichtig ist. Zu diesen Regionen zählt die Lunge, wo wir möchten, dass Sauerstoff rein und Kohlendioxid raus kommt, sowie unser Verdauungstrakt, der, einfach ausgedrückt, dazu dient, um Bestandteile aus unserer Umwelt in seine kleinsten Bausteine zu zerlegen und in uns aufzunehmen, sodass wir sie zu unseren eigenen Bausteinen machen können oder auch dazu verwenden können um gewisse Prozesse in Gang zu halten wie Denken, uns zu bewegen und unsere Körpertemperatur aufrecht zu erhalten.

Schon unsere äußere Haut besitzt ein unglaubliches Regenerationspotential, ich staune immer wieder, wenn ich die Fotos aus meinen schlimmsten Neurodermitiszeiten mit dem heutigen Zustand vergleiche, wo kaum Narben zurückgeblieben sind. Ein noch viel größeres Regenerationspotential aber besitzen unsere Schleimhäute, denn sie sind am laufenden Band Angriffen und Abnutzungen ausgesetzt. Es ist völlig normal, dass unsere Darmschleimhaut täglich im gewissen Maße ein bisschen kaputt geht durch die Einwirkung von Antinährstoffen. In einem gesunden Körper mit gesundem Mikrobiom (der „Darmflora“) rücken sogleich neue, gesunde Zellen nach und ersetzen die abgestorbenen. Kritisch wird es nun allerdings, wenn dieser Nachschub gestört ist oder der Schaden, der täglich entsteht, größer ist als was unser Körper reparieren kann. Außerdem können sich durch äußere Einflüsse die Proteinverbindungen, die die einzelnen Zellen fest zusammenhalten (die sogenannten „Tight-junctions“) lockern. Im Gegensatz zu unserer äußeren Haut ist die Darmschleimhaut gerade mal eine Zellschicht dick! Mehr ist das nicht. Und was liegt hinter dieser Zellschicht? Richtig, unser Blutkreislaufsystem. Und von da aus geht es dann überall in unseren Körper hin. Dies ist im Grunde wichtig, da wir ja schließlich wollen, dass der Sauerstoff, der in unsere Lunge kommt, so schnell wie möglich jede Zelle unseres Körpers erreicht, oder die Aminosäuren, Zuckermoleküle und ganz wichtig, die ganzen Mineralstoffe und Vitamine unserem ganzen Körper zur Verfügung stehen, damit wir unsere Funktion aufrecht erhalten können. Was wir allerdings unter keinen Umständen wollen, ist, dass unerwünschte Besucher Einlass finden, wie Viren, Parasiten, Bakterien und Pilze. Aus diesem Grund hat unser Körper einen weiteren Verteidigungsmechanismus entwickelt, der genau an diesen kritischen Stellen besonders stark vertreten ist, nämlich die Abwehr durch Immunzellen. Diese Abwehrzellen agieren, indem sie zerstörerische Stoffe absondern oder unerwünschte Besucher einfach in sich aufnehmen und zerstören. Sie werden in den Lymphknoten produziert, von denen sich etwa 70 % direkt um unseren Darm herum verteilt befinden, denn, wie erwähnt, ist der Darm das Tor zwischen der äußeren Welt und unserem Inneren, getrennt durch eine unglaublich dünne Barriere.

Alle Haut- und Schleimhautregionen unseres Körpers sind über das lymphatische System netzartig miteinander verknüpft und informieren sich gegenseitig über Cytokine, das sind Botenstoffe, sollte es an einer Stelle zu Angriffen kommen. In diesem Fall werden nicht nur am Eintrittsort, sondern im gesamten Körper Entzündungsreaktionen eingeleitet, denn jetzt gilt es, die empfindlichen und lebenswichtigen zentralen Organe zu schützen, wie das Herz und das Gehirn! Der Körper unternimmt nun alles, um den Schaden schnellstmöglich zu reparieren, wir werden sehr erschöpft und kriegen vielleicht sogar Fieber. Was ist nun, wenn der Darm chronisch geschädigt ist? Unser Immunsystem bleibt, wenn vielleicht auch nur unterschwellig, in ständigem Aufruhr und schüttet Entzündungsstoffe wie Histamin aus, wir sind dauerhaft müde und beginnen, unerklärliche Symptome zu zeigen, denn die Angriffe auf feindliche Stoffe und Zellen gehen immer mit einem gewissen Kollateralschaden einher, bei denen das umliegende Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird. Kleine Unregelmäßigkeiten in unserer Umgebung wie Allergene, Nahrungsmittel, die wir nicht vertragen oder solche, die an sich schon reichlich an Entzündungsbotenstoffen wie Histamin enthalten, können die Balance nun ganz leicht zum Kippen bringen. Wo im Körper es dann letztlich zur Reaktion kommt, hängt davon ab, wo sich unser individuelles schwächstes Glied der Kette befindet. Manche reagieren mit Kopfschmerzen, andere mit der Haut oder den Atemwegen, andere mit dem Herz-Kreislauf- oder Verdauungssystem, aber noch vieles mehr ist denkbar.

Nun wirst du vielleicht sagen, dass so ein paar kleine Verletzungen im Darm doch keine so großen Auswirkungen auf den ganzen Körper haben können. Hierbei muss bedacht werden, dass unser Darm durch starke Oberflächenauffaltung, um möglichst viele Nährstoffe aufnehmen zu können, eine unglaublich große Oberfläche besitzt. Die genauen Schätzungen gehen hierbei sehr weit auseinander, da eine wirkliche Messung unmöglich ist, hier habe ich Werte zwischen 32 m² 1) und 10.000 m² 2) gefunden. Fest steht, dass die Oberfläche deutlich größer ist als die der Haut mit nicht mal 2 m² und dass bei zahlreichen Mikroverletzungen im Darm einiges zusammen kommt, ein aufgeschürftes Knie ist nichts dagegen, vielleicht kommt ein Ganzkörper-Sonnenbrand dem näher (wer das schonmal erlebt hat weiß, wie fertig man für mindestens einen Tag davon ist).

Besonders kritisch wird es, wenn wie in vielen Fällen die Störung des Verdauungssystems bereits im Magen beginnt und wir zu wenig Magensäure und Verdauungsenzyme wie Pepsin bilden, die z.B. für die Aufspaltung von Proteinketten (Eiweiße) verantwortlich sind. Im Idealfall sollte alles bis ins Kleinste aufgespalten in unseren Blutstrom über den Dünndarm aufgenommen werden, sodass unser Körper es direkt weiterverwerten kann. Geraten aufgrund schlechter Verdauung durch den Magen und der Durchlässigkeit des Darms statt einzelner Aminosäuren kurze Aminosäureketten, also Eiweißketten, in unser Blut, reagiert unser Immunsystem prompt und attackiert diese, denn es könnte sich ja um einen Virus handeln. Um effizienter reagieren zu können, besitzen unsere Immunzellen Mechanismen, um sich bestimmte Eiweiße „merken“ zu können. Auf diese Weise entstehen Allergien gegen Fisch, Karotten… Kreuzallergien kommen so zustande, dass sich ähnliche Aminosäureabfolgen auch in völlig anderen Nahrungsmitteln wiederfinden können, da alle Eiweiße aus gerade mal 21 Aminosäuren, die verschieden kombiniert werden, aufgebaut sind.

Am schlimmsten wird es, wenn sich unser Immunsystem nun beginnt auf Aminosäuresequenzen einzuschießen, die sich auch in unserem eigenen Körpergewebe wiederfinden. Dann kommt es zu gezielten Angriffen auf eigenes Körpergewebe, eigene Organe wie die Schilddrüse, die Haut, die Myelinscheiden von Neuronen oder das Darmgewebe werden nun sehr effizient zerstört. Selbst diese Reaktionen sind noch mit gezielter und sehr disziplinierter Ernährung einzudämmen. Doch man muss immer bedenken, je weiter die Zerstörung des Körpers vorangeschritten ist, desto langwieriger wird sich die Erholung gestalten, desto eingeschränkter wird der Speiseplan und desto weniger Fehler darf man sich erlauben. Medikamente können hier nur kurzfristig Symptome unterdrücken, aber die Zerstörung wird trotzdem weiter voranschreiten.

Des Weiteren dürfen wir uns unseren Darm nicht wie einen langweiligen Schlauch vorstellen. Vielmehr laufen hier eine Vielzahl an Reaktionen ab, um unsere Nahrung für unseren Körper verwertbar zu machen. Doch nur eine gesunde Darmschleimhaut kann genügend Enzyme und Transportproteine ausbilden, die uns erlauben, die wertvollen Aminosäuren, Mineralien und Vitamine auch wirklich in unser Körperinneres einzuschleußen. Wegen der individuellen Körperchemie ist es deswegen sehr unterschiedlich, was der Einzelne gut verträgt und gut verwerten kann, und aus diesem Grund macht auch das Kalorienzählen überhaupt keinen Sinn (in der Phase, in der es mir am schlechtesten Ging, habe ich gefressen wie ein Scheunendrescher und dabei immer weiter abgenommen, weil es unten fast wieder so raus kam, wie es oben reingekommen ist…). Bei manchen Stoffen ist es darüber hinaus wichtig, dass sie während des Verdauungsprozesses chemisch verändert werden, damit sie uns überhaupt von Nutzen sind, so manche könnten ansonsten sogar schädlich für uns werden! Da es zur Senkung unseres Entzündungslevels (“zur Leerung des Entzündungsfasses“) nicht nur darauf ankommt, den Schaden durch gewisse Stoffe zu meiden, sondern auch viele Mikronährstoffe aufzunehmen, um unser Körpergewebe heilen zu können und Enzymreaktionen anzukurbeln, halte ich die Heilung des Darmes für die wichtigste Maßnahme, anstatt ein Nahrungsmittel nach dem anderen zu streichen (was nur für einen äußerst begrenzten Zeitraum mal erfolgen sollte mit einer breitgefächerten Erweiterung des Speiseplans als Hauptziel vor Augen!).

Ich möchte deswegen jedem ans Herz legen, der schon erste Auffälligkeiten zeigt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und alles dafür zu tun, herauszufinden, was er nicht verträgt und seinen Darm zu heilen. Und jedem, der sich jetzt noch gesund fühlen mag, möchte ich einfach nahelegen, auf seinen gesunden Menschenverstand zu hören und sich möglichst naturnah zu ernähren, sowie auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Ich möchte versuchen, hierzu auf meinem Blog möglichst viele Anregungen zu liefern.

Krankheiten überfallen den Menschen nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, sondern sind die Folgen fortgesetzter Fehler wider die Natur. ~ Hippokrates von Kos (460 bis etwa 377 v. Chr.), griechischer Arzt, »Vater der Heilkunde«

“You are closer to the outside world on the inside of your intestines than you are when you are touching something with your skin”. ~Summer Bock


 

  1. Helander, Herbert F., and Lars Fändriks. “Surface area of the digestive tract-revisited.” Scandinavian journal of gastroenterology6 (2014): 681-689.
  2. http://www.weiss.de/krankheiten/reizdarm/aussenflaeche-darm/10.2015

4 thoughts on “Warum liegt der Tod im Darm?

  • 9. Februar 2016 at 17:34
    Permalink

    Hast du denn schon mal von Weihrauchkapseln gehört? Mir wurde das empfohlen und meinen Recherchen zufolge sollen sich diese sehr entzündungshemmend sein. Allerdings bin ich immer skeptisch….

    Reply
    • Doro
      9. Februar 2016 at 18:49
      Permalink

      Mit ätherischen Ölen habe ich mir auch in letzter Zeit etwas mehr beschäftigt und bin ziemlich überzeugt von ihnen. Aber es sollte wirklich hohe Qualität sein. Gerade Weihrauch soll so das mit den größten heilenden Eigenschaften sein. Ich habe es im Winter viel zur Raumbeduftung benutzt und gebe es ab und an auch mal ins Badewasser, da es gut für die Haut sein soll. Habe es bisher auch einmal in Olivenöl verdünnt geschluckt. Definitiv keine negative Reaktion, aber um eine Verbessung zu merken, muss man es wahrscheinlich länger einnehmen. Und das Ganze natürlich in Zusammenarbeit mit Ernährung und Lebensstil. Ich halte es nämlich primär für das Wichtigste, erstmal die negativen Faktoren auszuschalten. Also wie gesagt, falsch machst du damit sicher nichts, vielleicht berichtest du nochmal von deinen Erfahrungen, wenn du es probierst. =)
      LG,
      Doro

      Reply
  • 1. Dezember 2016 at 20:43
    Permalink

    Doro, was hältst du von Betain HCL Kapseln? Ich nehme die, denke schon, dass sie helfen, aber es soll ja keine Dauerlösung sein…allerdings nimmt ja die Produktion der Magensäure immer mehr ab. Was meinst du? Vielleicht auch natürliche Mittel probieren? Apfelessig soll gut sein, kleiner Schluck vor dem Essen z.B. Allerdings bin ich allergisch auf Äpfel….mich würde deine Meinung interessieren.

    Liebe Grüße, Sandra

    Reply
    • Doro
      1. Dezember 2016 at 20:52
      Permalink

      Finde ich auch sehr wichtig! Ich selbst vertrage Äpfel auch nicht so gut, und Fermentiertes ja auch echt nur in Maßen, also etwa ein zweimal im Monat im Restaurant oder auf ner Feier gönne ich mir mal Essig, aber nichts für den täglichen Gebrauch. Schau mal oben im Menü unter dem Reiter “Der Darm” und dann Darmsanierung, da gehe ich noch genauer drauf ein. Mir hilft Betain HCL definitiv sehr gut, ich will aber auch noch dran arbeiten, stressfreier und achtsamer zu essen, ich glaube, dass da auch eine sehr große Baustelle bei mir liegt.

      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyrighted Image