Bericht PaleoConvention 2017 in Berlin

Am ersten Septemberwochenende ging es für mich wieder auf die Paleoconvention in Berlin. Meinen Bericht vom letzten Jahr findest du hier. Ich hatte mir dieses Jahr das große Ticket für Messe plus Kongress und Workshops geholt. Morgens schlenderte ich zunächst meine erste Runde über die Messe, dann begannen die Vorträge.

Den Anfang machte Dr. Simone Koch, die über Schilddrüsenerkrankungen und Kältetherapie sprach. Im Endeffekt geht es bei der Kältetherapie um Stressreize, die uns an die für uns machbaren Grenzen bringen, was als Hormesis bezeichnet wird. Hier ist das Entscheidende: Es geht um die INDIVIDUELLE Grenze. In Bezug auf Sport kann das für einen chronisch kranken Menschen bedeuten, dass Spaziergänge alle zwei Tage schon ein Fortschritt sind, während ein Durchschnittsmensch sich schon ein intensiveres Training gönnen kann. Sie verglich es sehr anschaulich mit Feuer: Wenn man zu stark pustet (es zu sehr stresst), geht es aus; wenn man aber das richtige Maß findet, kann man es mit Sauerstoff versorgen, aktivieren, beleben. Hormesis in Form von Sport, vor allem anaerobes Krafttraining (um Schäden durch Oxidation, freie Radikalbildung zu verringern) und Kältetherapie sind üblich. Es verbessert die Arbeit der Mitochondrien und hilft, fehlerhafte Mitochondrien abzubauen (Autophagie). Kraftraining erhöht außerdem den Stoffwechsel, baut Stresshormone ab und hilft, den Sympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems, der für Stressreaktionen zuständig ist) herunterzuregulieren. Interessant fand ich auch die Info, dass Menschen, die zu Übergewicht neigen, eher am erhöhten Stresshormon Cortisol (chronische Stressantwort) leiden, während es bei Menschen, die zu Untergewicht neigen, eher die Katecholamine wie das Adrenalin und Noradrenalin (akute Stressantwort) sind, die zu stark ausgeschüttet werden.

Kältetherapie hilft, ein überreaktives Immunsystem runterzuregulieren und regt die T3-Produktion an (bei ausreichend vorhandenem T4!). Sie empfiehlt die Nutzung von Kompressen aus dem Pferdebedarf am Rumpf, bis zu 3 Stunden täglich, um dort die Bildung von braunem Fettgewebe anzuregen, Kopf und Gliedmaßen sollten warm gehalten werden. Ihr wichtigstes Abschlusswort war: Selbstverantwortung ist entscheidend beim Gesundwerden und es geht um eine ganzheitliche Umstellung des Lebensstils, denn nur in großen Ausnahmen ist es eine einzelne, simple Ursache, die ausschlaggebend ist, die, behoben, alles wieder ins Gleichgewicht bringt.

Der Schlüssel zur Heilung bist DU! ~Dr. Simone Koch

Der nächste Redner, den ich mir ansah, war Dr. med. Ori Wolff. Er betonte den Grundsatz aus dem NLP: Die Landkarte ist nicht das Gebiet. Alles, was wir in der Medizin tun, ist, vereinfachte Modelle zu schaffen, mit denen man arbeiten kann. Er vergleicht den Körper mit einem Computer. Wir haben die Hardware (Materie) + Software (Information) + Strom (Energie). In unserem Bindegewebe (extrazelluläre Matrix, Faszien) findet ein enormer Austausch an Informationen statt durch Silizium + kristallines (strukturiertem, gel-ähnlichen) Wasser (-> Halbleitereigenschaften, wieder wie bei einem Computerchip). Strahlung (elektromagnetische, z.B. UV) sorgt für die Aufteilung des Wassers in Protonen (H+) und OH-Ionen (auch an den Membranen unserer Mitochondrien in den Zellen), was zum Aufbau von Ladungen (Energie) führt. Genau wie ein Computerchip verfügen auch Zellmembranen über Tore und Kanäle (Proteine). Lagern sich Giftstoffe an diesen Proteinen an, ändert sich ihre Frequenz und sie sprechen nicht mehr korrekt auf Signale an.

 

Die Landkarte ist nicht das Gebiet. Alles, was wir in der Medizin tun, ist, vereinfachte Modelle zu schaffen, mit denen man arbeiten kann. ~Dr. med. Ori Wolff

Nun folgte ein Vortrag von Baubiologe und geobiologischem Berater Bern Kinze. Mit Baubiologie habe ich mich als selbst Biologin und durch meine eigenen mehrfachen Erfahrungen mit Schimmelbelastung schon intensiv beschäftigt, doch auch hier konnte ich noch Neues lernen. Er kam nach jahrzehntelanger Arbeit zu dem Schluss, dass 96% aller Auffälligkeiten bei Schlafproblemen vom Inneren einer Wohnung kommen, nur 4% stammen von außen. Er ist der Ansicht, dass mehr Aufklärung auf der baubiologischen Ebene geleistet werden müsse, dann könnten viele chronische Erkrankungen verhindert werden. Nirgendwo hält man sich länger auf als am Schlafplatz, nirgendwo ist Körper und Psyche angreifbarer als in der regenerativen Entspannung des Schlafs. Das Immunsytem ist sensibler während des Schlafes und es sind weniger Abwehrmaßnahmen aktiv. Nachts muss alles in unseren Zellen repariert und verarbeitet werden, was tagsüber beschädigt und aus dem Gleichgewicht gebracht worden ist.

 

 Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso töten wie mit einer Axt. ~Heinrich Zille

Elektrosmog ist ein wichtiges Thema, das immer mehr in den breiten Fokus rückt. So nannte er das Beispiel eines Elektrikermeisters, der nicht an Elektrosmog glaubte, und dessen W-Lan Router sich in seinem Schlafzimmer befand. Nachdem er auf Anraten von Herrn Kinze nachts ausgeschaltet wurde, bekam er das Feedback, dass der Mann wieder viel erholsamer schläft und zum ersten Mal seit langem wieder träumt!

Wir besitzen, um uns orientieren zu können, Magnetit im Kopf. Deswegen kann unser Gehirn durch stärkere Magnete gestört werden. Da wir selbst elektrische Wesen sind, die mit Gleichstrom arbeiten (elektromagnetische Felder werden genutzt, um Sportverletzungen zu heilen), sind Wechselfelder extrem störend für unser Nervensystem und eine Stressbelastung. Herr Kinze empfiehlt ein Holzbett + Kaltschaummatratze, statt eines Metallrahmens + Federkernmatratze. Es sollte sich möglichst kein Metall und keine Leitungen um den Schläfer befinden, wonach ein guter Umweltmediziner auch als erstes fragt. Es sollten sich keine eingesteckten Elektrogeräte um den Schläfer befinden, auch nicht mit Zeitschaltuhr, vor allem nicht am Kopfende. Das beste wäre, nachts komplett die Sicherung rauszumachen im Schlafzimmer, es wäre zumindest einen Testlauf wert bei Stress- und Schlafstörungen und Migräne. Auch Wasserbetten sind deswegen kritisch zu sehen, auch wegen der toxischen Chemikalien im Inneren.

Von Erdungsdecken hält er nichts, da man durch das erzeugte Nullfeld andere positive Felder anzieht und sich direkt ins Bett holt.

Er sieht außerdem Fußbodenheizungen als kritisch an, die zudem Staubschleudern sind. Der Staub ist es, der die Haut im Winter austrocknet und für Reizungen sorgt, nicht die trockene Luft. Je feuchter die Luft wird, desto mehr Staub wird aufgewirbelt.

Auch die Gefahr durch Schimmelpilze wurde angesprochen. 10% der von ihm untersuchten Matratzen sind hefe- und schimmelverseucht. Ebenso verschimmeln Wasserfilter häufig, wenn sie nicht ordnungsgemäß gewartet werden.

Ein krankes Bett ist ein sicheres Mittel, die Gesundheit zu ruinieren. ~Paracelsus

Dr. rer. nat. Jens Pohl, Molekularbiologe und Heilpraktiker, widmete sich dem Thema: Was bedeutet saisonale und regionale Ernährung für meinen mitochondrialen Haplotyp? Kurz zu den Mitochondrien: Wir kriegen unsere Mitochondrien (und deren DNA) von unseren Müttern vererbt. 90% des Sauerstoffs, den wir atmen, wird von den Mitochondrien zur ATP-Produktion (Energiewährung des Körpers) vererbt. Die Mitochondrien können Energie (ATP) oder Wärme produzieren und man produziert am Tag in etwa soviel ATP, wie man Körpergewicht besitzt. Toxine interagieren schneller mit den Mitochondrien als mit dem Zellkern, da sie ungeschützt im Plasma vorliegen, während die DNA geschützt im Zellkern vorliegt. In unseren Mitochondrien befinden sich allerdings wichtige Gene für die Atmungskette, also für unsere Energieproduktion, mit denen unser Überleben steht und fällt! Gleichzeitig ist es sinnvoll, dass die Mitochondrien Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, da sie dadurch Feedback bekommen über unsere Umgebung und unsere Lebensweise. Mitochondrien sind dank ihres bakteriellen Erbes in der Lage, sehr schnell zu reagieren und sind permanent dabei, sich an die Umwelt anzupassen (z.B. durch Reize wie Sport, guter Schlaf, veränderte Ernährung… was wieder die Selbstverantwortung betont!). Schwierig sind aber ganz neue Einflüsse wo EMFs und schnelle Änderungen der zirkadianen Rhythmen durch Flüge und künstliches Licht.

Auch unsere Mitochondrien (die Elektronentransportkette) kann “leaky” werden, wir verlieren Protonen, es wird stattdessen Wärme produziert, wir verlieren Energie und es kommt zu weiteren chemischen Veränderungen. Bei kälteren Temperaturen kann dies aber eine sinnvolle Anpassung sein. Bestimmte Haplotypen (genetische Varianten) stehen im Zusammenhang mit verschiedenen Vorteilen, z.B. bessere Kälteanpassung, Anpassung an größere Höhenlagen, Adaptation für Langstreckenlauf, unterschiedliche Anfälligkeit für Krankheiten…

Was in der Ernährung nun regional und saisonal bedeutet, muss sich nach dem Haplotyp richten, nicht nach dem Wohnort! Leider hat sich auch der Haplotyp unserer Nahrung (Obst, Vieh,…) durch Zucht und Importe verändert.

Umfangreiche Gentests sind für relativ günstig möglich (zur Zeit um die 150 Euro) über die Plattform 23andme.

Sonntagmorgen sah ich mir einen Vortrag an von Moritz von der Borch zum Thema: “Eiskalt durchgezogen: Warum und wie wirkt Kälte-Therapie?” Temperaturreize bewirken eine Immunmodulation. In Experimenten suchten Mäuse bei Darmentzündungen und damit erhöhter Endotoxinbelastung gezielt Kälte auf, was durch ein Gen reguliert wird. Der Kältereiz sorgt dann für die Aktivierung weiterer entzündungssenkender Gene. Kälte sorgt für Dopaminausschüttung: Man kennt das, dass man sich wach und lebendig fühlt nach einer kalten Dusche. Kälte wird erfolgreich eingesetzt bei neurodegenerativen Erkrankungen. Die Fähigkeit zur Kälteadaptation ist bei jedem unterschiedlich und wird von anderen Stressoren mitbestimmt, und man sollte sich langsam dran gewöhnen. Wichtig ist auch ein gutes Fettsäureprofil in den Zellen, sonst kann es zur Kälteurtikaria kommen. Ein einfacher Trick zur ersten Eingewöhnung: Das Gesicht für 60 Sekunden in Eiswasser tauchen, was einen Trainingseffekt durch Stimulation des Trigeminusnervs bewirkt. Ebenso gut sind Wechselduschen, die man kalt beenden sollte. Ebenso möglich ist das Aufhalten im Freien im Winter nur im T-Shirt, mit geschütztem Kopf, Händen und Füßen. Wichtig ist die Exposition des Rumpfes. Ein nächster Schritt ist das Kältebad. Laut Studien hat man erhebliche positive Effekte auf das Immunsystem bei 14°C Wassertemperatur. Ein paar Minuten reichen schon, trainierte Menschen können es stundenlang aushalten bei noch viel niedrigeren Temperaturen. Wie ein Halbleiter, was der menschliche Körper tatsächlich ist, funktionieren wir besser bei kälteren Temperaturen! Die Mitochondrien stoßen dann vermehrt Infrarotlicht aus (Wärme).

Dann hörte ich mir noch einen Vortrag an von Geja Heinen zum Thema Stress, unsere Vorgeschichte und die Gehirn-Darm-Achse. Sie betonte die Wichtigkeit von Magnesium, das für über 300 enzymatische Reaktionen im Körper zuständig ist, und dass ein Mangel mitverantwortlich sein kann für Darmentzündungen und psychischen sowie oxidativen Stress. Stress in jeglicher Form verbraucht gleichzeitig Magnesium und kann an sich unser Immunsystem aktivieren, wodurch unser Darm permeabler wird und unser Blut mit Endotoxin belastet werden, was die Leber und im Endeffekt unser Gehirn negativ beeinflusst. Sie empfiehlt viel dunkelgrünes Blattgemüse und das Achten auf Phytine und Oxalate in Nüssen, Getreide und Samen, die Mineralien binden. Die Form, in der Magnesium in unserem Körper vorliegt, ist Magnesiumchlorid, was am besten wasserlöslich ist. Alle anderen Formen, die wir als Supplemente nehmen, müssen erst in Magnesiumchlorid umgewandelt werden, es einzunehmen wäre aber schnell Durchfallerzeugend. Oxide sind kaum wasserlöslich und kaum vom Körper verwertbar, an eine Aminosäure gebunden ist es recht teuer in der Herstellung. Calciumeinnahme, Medikamente, Hormone und Stress können desweiteren die Magnesiumaufnahme behindern. Am besten wirkt ihrer Meinung nach Magnesiumöl topisch, sodass der Verdauungstrakt, der bei vielen angeschlagen ist, komplett umgangen wird. Darüber hinaus ist sie eine Vertreiberin und große Befürworterin von Bodenbakterien als Probiotika, PrescriptAssist.

Darüber hinaus sah ich noch eine interessante Podiumsdiskussion über die Verbindung von Biologie, Medizin und (Quanten-)Physik, hörte von Yvonne Reichelt über ihren Besuch bei den Hadza in Tansania und deren ursprüngliche Lebensweise sowie von Julia Tulipan (Biologin) über die ausgewogene Lowcarb-Highfat-Ernährung.

 

 

Dann ergaben sich noch viele interessante Gespräche auf der Messe, zum Beispiel mit den Gründern der Supplementfirma Artgerecht und mit Linda Hollatz, die eine Expertin in Sachen Haargesundheit ist. Ihr wichtiger Tipp: Haare mit weichem Wasser waschen, notfalls aus der Flasche!

Zum ersten Mal probierte ich beim Simply Keto-Stand einen Bulletproof Coffee (ich bin absolut kein Kaffeetrinker und habe meinen letzten vor vier Jahren gehabt). Ich trank nur einen halben und wurde nur minimal zittrig, aber meines Erachtens nicht wacher. Ich glaube, Kaffee und ich werden niemals Freunde werden.^^ Hammerglücklich war ich über das vegane, mit Dattesirup gesüßte Eis von IceDate! Sehr verträglich für jemanden wie mich, der keine Saccharose, Fruktose und keine Milch verträgt! Bei PrimalState machte ich bei einem Neurofeedbackspiel mit, bei dem man mit dem Kopf mit Elektroden verbunden wird, und bei möglichst ruhigen, gleichförmigen Hirnströmen, also entspannter Konzentration, absolut im Hier und Jetzt präsent sein , ohne an etwas zu denken, wird ein Ball auf einem Spielfeld vor einem in Richtung Gegner bewegt. Wer es schafft, den Ball mit Gedankenkraft ins gegnerische Tor zu bewegen, hat gewonnen. Eine tolle Hirntrainingsmethode! Zweimal gewann ich; gegen meine Freundin Sandra (die ich aus dem ernährungspsychologischen Coachingtraining kenne), die schon lange Aikodo macht, hatte ich aber keine Chance.

Am Sonntag besuchte ich noch zwei großartige Workshops, von Sabine Rippe von Tanz Ursprung: Paleodance, taste the breath of the hunters and gatherers, bei dem wir in sehr ursprüngliche, intuitive Bewegungen eintauchen konnten, die einen in einem fast schon tranceartigen Zustand aufgehen ließen, bei denen man alle Beklemmungen, alles, was einen bedrückt und belastet und blockiert einfach abschütteln konnte. Mit einem Schlag tauchte in meinem Kopf die Aussage auf: “Ich brauche keine Erlaubnis.” Es war eine neuartige Erfahrung, nur fühlen und machen zu dürfen, ohne korrigiert zu werden, sondern eingeladen zu werden zu erfahren. Wie sehr geht uns das verloren in der heutigen Zeit, in der uns alles vorgegeben wird durch scheinbare Autoritäten, Politiker, die Wissenschaft, Eltern, und wie satt ich es doch manchmal habe, gerade in Bezug auf die Diskussionen um die richtige Ernährungsweise! Ich kann wirklich sagen, dass es unglaublich gut getan hat und einfach befreiend war und etwas Neues in mir Wurzeln geschlagen hat durch diese Erfahrung.

Der zweite Workshop wurde geleitet durch Benjamin Joon, Movement Play. Hier werden Meditation, Konzentration, Kampfkunst und Training spielerisch vereint in Partnerübungen, die Körper und Geist präsent und flexibel halten und zum Austesten der eigenen Grenzen einladen.

Schau dir hier außerdem noch mein Fazit in Videoform an.

Alles in allem war es ein sehr angefülltes Wochenende im positiven Sinne, vieles an Infos ist mittlerweile für mich repetetiv, aber es waren auch die ein oder anderen (informatorischen) Schätze neu zu erforschen und zu erbeuten. Vor allen Dingen bin ich sehr dankbar für all die neuen Kontakte, die ich dort machen konnte, mit gleichgesinnten Menschen, denen daran gelegen ist, den Menschen ihre Würde und Power zurückzugeben und diese Welt ein bisschen gesünder zu machen.

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